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Über uns Österreicher, die überall auf der Welt Ausländer sind, außer in dem global gesehen winzigen Flecken zwischen Neusiedler- und Bodensee. Wie aus Fremden Gäste und Freunde werden können.

Ich bin ein Fremder gewesen …

In einem seiner letzten Gespräche mit seinen Jüngern erzählte Jesus, wie es sein wird, wenn er wiederkommt und Gericht halten wird. Er beschreibt diese Szene wie folgt, schriftlich festgehalten wurde sie von Matthäus:

»Der Menschensohn wird wiederkommen
in seiner Herrlichkeit mit allen Engeln.
Dann wird er sich auf seinen Herrscherthron setzen.
Alle Völker werden vor dem Menschensohn versammelt.

Und er wird sie in zwei Gruppen aufteilen –
wie ein Hirte die jungen Ziegenböcke von der Herde trennt.
Die Herde wird er rechts von ihm aufstellen
und die jungen Ziegenböcke links.

Dann wird der König zu denen rechts von ihm sagen:
›Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet!
Nehmt das Reich in Besitz,
das Gott seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt hat.

Denn ich war hungrig,
und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich war durstig,
und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich war ein Fremder,
und ihr habt mich als Gast aufgenommen.

Ich war nackt,
und ihr habt mir Kleider gegeben.
Ich war krank,
und ihr habt euch um mich gekümmert.
Ich war im Gefängnis,
und ihr habt mich besucht.‹

Dann werden die Menschen fragen,
die nach Gottes Willen gelebt haben:
›Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
und haben dir zu essen gegeben?
Oder durstig
und haben dir zu trinken gegeben?
Wann warst du ein Fremder
und wir haben dich als Gast aufgenommen?
Wann warst du nackt
und wir haben dir Kleider gegeben?
Wann warst du krank oder im Gefängnis
und wir haben dich besucht?‹

Und der König wird ihnen antworten:
›Amen, das sage ich euch:
Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt –
und wenn sie noch so unbedeutend sind –,
das habt ihr für mich getan.‹

Dann wird er zu denen links von ihm sagen:
›Geht weg von mir!
Gott hat euch verflucht!
Ihr gehört in das ewige Feuer,
das für den Teufel
und seine Engel vorbereitet ist.

Denn ich war hungrig,
und ihr habt mir nichts zu essen gegeben.
Ich war durstig,
und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben.
Ich war ein Fremder,
und ihr habt mich nicht als Gast aufgenommen.
Ich war nackt,
und ihr habt mir keine Kleider gegeben.
Ich war krank und im Gefängnis,
und ihr habt euch nicht um mich gekümmert.‹

Dann werden auch sie antworten:
›Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen?
Oder als Fremder oder nackt oder krank oder im Gefängnis?
Wann haben wir nicht für dich gesorgt?‹

Da wird er ihnen antworten:
›Amen, das sage ich euch:
Was ihr für andere nicht getan habt –
und wenn sie noch so unbedeutend waren –,
das habt ihr auch für mich nicht getan!‹

Matthäus 25,31-45 Basis_Bibel

Es ist bemerkenswert, dass Jesus die Kriterien, nach denen jemand das ewige Leben bekommt, auf den praktischen Dienst an Menschen mit körperlichen und seelischen Nöten verdichtet.

Angesichts der Not der Flüchtlinge, die verzweifelt versuchen, eine sichere Bleibe zu finden, berührt mich vor allem der Satz: „Ich war ein Fremder und ihr habt mich als Gast aufgenommen.“
Und es fällt mir schwer, manche Entwicklung in Österreich zu verstehen.

Für die überwältigende Mehrheit der Bürger unseres Landes ist Österreich eine gute und sichere, wenngleich nicht unbedingt sehr große Heimat. Es lässt sich leben hier, gut leben. Warum es nun für manche so schwierig ist, den in unser Land kommenden „Ausländern“ helfend und wohlwollend zu begegnen, ist schwer nachzuvollziehen.
Seit jeher sind Menschen aus unterschiedlichsten Gründen gezwungen gewesen, ihre Heimat zu verlassen und in der Fremde eine neue Bleibe zu suchen. Wer die Möglichkeit hat, in der eigenen Familiengeschichte weiter zurückzublicken, wird sehr wahrscheinlich auch Familienmitglieder finden, die nicht aus Österreich stammen und im Laufe ihres Lebens Flüchtlinge waren.

Was, wenn uns in Österreich eine Katastrophe heimsuchen würde, die viele aus dem Land treiben würde? Wären wir dann  nicht auch froh, wenn uns jemand aufnehmen und helfen würde?

Im Übrigen scheint mir der Begriff „Ausländer“ in Zeiten der Globalisierung reichlich überholt. Jeder ist ein Ausländer, sobald er die Grenzen des Vaterlandes verlässt, und die liegen in Österreich bekanntlich meist recht nahe, weil sich unser Land mit seinen 84.000 Quadratkilometern im Vergleich mit anderen sehr winzig ausnimmt. Im ganzen riesigen Rest der Welt sind wir Ausländer – auch wenn wir uns möglicherweise im Ausland nicht als solche fühlen und uns als Gäste sehen.

Knapp 8,5 Millionen Menschen haben das Vorrecht, Österreich ihre Heimat zu nennen. Bei manchen Diskussionen dieser Tage und auch Abwehrreaktionen gegen neue Quartiere für Flüchtlinge könnte man den Eindruck haben, das Boot wäre voll, kein Platz mehr, reicht ja kaum für uns.
Das ist schon wieder seltsam, denn rein rechnerisch wären für jeden Österreicher rund 10.000 m² Fläche vorhanden. Würden sich jedoch alle Österreicher und –innen an einem Fleck versammeln, fänden wir locker alle auf einer Fläche in der Größe der Donauinsel Platz und müssten uns nicht einmal auf den Zehen stehen, hätten wir doch alle fast einen halben Quadratmeter Platz. Zwar wäre es sinnlos, sowas mal auszuprobieren, aber als Rechenspiel taugt das allemal und es wird klar: Wir haben Platz, als eines der reichsten Länder der Welt haben wir auch das Geld und angesichts der vielen Tonnen Lebensmittel, die jeden Tag übrig bleiben, müssen wir zugeben: Wir haben mehr als genug zu essen und es sollte auch für viele andere reichen.

In der Praxis geht es also mehr um guten Willen und durchdachte Organisation, um den Menschen zu helfen, die in unser Land flüchten. Einfach ist das gewiss nicht, das hat jeder gemerkt, der sich bereits helfend eingebracht hat. Hochachtung gilt allen, die sich hier engagieren. Und jenen, die Angst oder Abneigung empfinden angesichts von Fremden, wünsche ich eine ähnliche Erfahrung, wie ich sie machen durfte: Sobald jemand in seiner Not mir gegenüber steht und ich helfen kann, bekommt der „Fremde“ ein Gesicht, wird zu einem Menschen wie du und ich und ihm nach Möglichkeit zu helfen eine Selbstverständlichkeit – oder wie Jesus es ausdrückt: er wird vom Fremden zum Gast. Und im Wort Gastfreundschaft steckt nicht umsonst der Freund.

Autor: Oliver Fichtberger
Bildnachweis: Reinhold Unterberger

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