06.05.2015

Abschied von einem lieben Kollegen

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Am 2. Mai 2015 verstarb Otto Krumpschmid, pensionierter Pastor der Adventgemeinde Österreichs.

Am 2. Mai 2015 verstarb Otto Krumpschmid, pensionierter Pastor der Adventgemeinde Österreichs.

Er wurde am 1. September 1929 in Bergen, (ehemals Niederösterreich, „Sudetendeutschland“, heute Tschechien) als Sohn von Emil und Laura Krumpschmid geboren. Sein Vater war fleißiger Landwirt, der Familie ging es gut. Sein älterer Bruder starb bereits mit drei Jahren, sodass Otto die Rolle des Ältesten übernahm, als großer Bruder seiner Schwester Emma und schon in jungen Jahren als Stütze seiner Mutter, da der Vater im Jahr 1939 zur deutschen Wehrmacht eingezogen wurde.

1941 kam er wie damals üblich zur Hitlerjugend und erlebte eine vormilitärische Ausbildung. Er begeisterte sich für den Sport und lernte Boxen, er wurde sogar Ortsmeister im Boxen, für viele von uns, die ihn als friedliebenden und liebevollen Mann Gottes kannten, fast nicht vorstellbar. Doch stieg ihm der Ortsmeister nicht zu Kopf, Überheblichkeit passt schon damals nicht zu ihm. Er war ein ruhiger und hilfsbereiter junger Mann, seine Mutter hatte ihre Freude an ihm. Die Kriegsfront war weit von Bergen entfernt, die Familie und auch die von der Kreisleitung zugeteilten Fremdarbeiter hatten genug zu Essen.

Doch im Jahr 1944 wurde auch Otto zu Wehrmacht eingezogen, eingeteilt zum Munitions- und Nachschubtransport. Am Alter von knapp sechzehn Jahren wurde er schon an der Panzerfaust ausgebildet, mit dem Ziel, gegen die herannahende rote Arme zu kämpfen.

Im März 1945 musste die Mutter mit Emma und einigen Verwandten im Rückzug der deutschen Wehrmacht und im Strom der Vertriebenen aus Siebenbürgen die Heimat verlassen. Zuerst versuchte sie bei Verwandten im oberösterreichischen Pfaffendorf unterzukommen und landeten  schließlich in einem Flüchtlingslager in Hörsching. Die Sorge um Mann und Sohn war aber sicher die größte Last am Herzen der Mutter, den Mann wusste sie nur irgendwo in Italien, vom Verbleib des Sohnes hatte sie gar keine Kenntnis, er galt als verschollen.

Doch Otto wurde 1945 von den Russen gefangen genommen und in Budweis bei tschechischen Bauernfamilien zur Arbeit gezwungen. Damit war er nicht so weit von seiner Familie entfernt, ohne dies zu diesem Zeitpunkt zu wissen. Als die Bauern zu Ostern auf Verwandtenbesuch fuhren, ergriff Otto zusammen mit einem Freund die Flucht. Tagsüber wurde im Wald geschlafen, des Nachts marschiert, über die Grenze nach Österreich und dann quer durch die russische Zone. Bei einem Rot-Kreuzposten erfuhr er dann den Aufenthaltsort seiner Familie. Groß war die Freude, als er mit einem Holzkoffer in der Hand und einem langen Militärmantel bekleidet im Flüchtlingslager in Hörsching auftauchte.

1946 kehrte auch Vater Emil aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause, die Familie war nun zwar verarmt, aber glücklich vereint. Otto bekam Arbeit beim Fliegerhorst der Amerikaner. In dieser Zeit erwachte seine Freude am Boxsport wieder und er gewann so manchen Kampf gegen amerikanische Soldaten.

Als ihm die Arbeit am Fliegerhorst nicht mehr behagte, bewarb er sich im Nachbarort Thennig um einen Lehrplatz als Tischler, wo er auch einen Schlafplatz und Essen bekam. Für sein Gesellenstück drei Jahre später – einem Schachtisch mit Intarsienmuster – erhielt er eine Auszeichnung, weil er so genau und gediegen gearbeitet hatte. Sein Lehrherr meinte, solch einen Lehrjungen habe er noch nie gehabt.

In der Zwischenzeit hatte der Vater unter großen Entbehrungen ein Grundstück in Oedt (heute Teil der Stadt Traun) gekauft. Otto erledigte alle Holzarbeiten vom Dachstuhl über Türen und Fenster. Gemeinsam mit seinem Vater wurde Ziegel um Ziegel selbst erzeugt – ohne Mischmaschine – und endlich im Jahr 1953 konnte Familie aus dem Lager Nr. 60 in Hörsching in das eigene Haus umziehen.

Am Grundstück nebenan baute sich ein fleißiger Linzer ebenfalls eigenhändig ein Haus. Otto kam immer wieder mit ihm ins Gespräch und fand ihn sympathisch. In kühlen Nächten durfte der Nachbar in der Küche der Famile Krumpschmid übernachten, solange sein eigenes Haus noch keinen Ofen hatte.

Da ab der Dämmerung viel Zeit war, sprachen Otto und dieser Mann über Gott und die Welt. Erst später stellt sich heraus, dass der Nachbar der Adventgemeinde in Linz angehörte. Zum Leidwesen seiner Eltern war Otto begeistert von diesem neuen Glauben. Er verließ die katholische Kirche und schloss sich der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten an.

Im Jahr 1955 begann er die theologische Ausbildung am Seminar Schloss Bogenhofen, später auch auf der Marienhöhe in Deutschland. In Bogenhofen lernte er die Köchin Anna Obenaus kennen, die ihn wegen seiner ruhigen, ehrlichen und ernsten Art schätzen und lieben lernte.

Die beiden heirateten 1959 und führten ihr ganzes Leben eine vorbildliche und liebevolle Ehe. 

Im Zeitraum von 1960 – 1966 wurden ihnen vier Kinder geboren:
Peter, Gerhard, Ruth und  Markus. Sein Vorbild und gelebter Glaube inspirierte alle drei Söhne, Theologie zu studieren.

Sein Dienst als Pastor der Adventgmeinde führte ihn in verschiedene Gemeinden in Wien, Bruck an der Mur, Graz, Klagenfurt und Villach. Auch in seinem Ruhstand wirkte er noch in den Gemeinden Gleisdorf und Fürstenfeld.

Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ganzheitliche Gesundheit.

Gemeinsam mit seiner Frau organisierte er viele Kurse für gesunde Ernährung, Fastenwochen und auch Fasten-Wanderwochen. Diese Angebote erfreuten sich großer Beliebtheit.
Sowohl Otto als auch Tante Anni - wie sie von vielen liebevoll genannt wurde -  standen vielen Menschen mit Rat und Tat zur Seite. Ihr Heim war stets offen für Menschen, die gesundheitliche, seelische oder geistliche Nöte hatten.

Otto war kein Mann von großen Worten, doch lebte er seinen Glauben konsequent. Er predigte die biblische Botschaft einfach, klar und verständlich. Die Themen Hingabe, Bekehrung, Nachfolge beschäftigten ihn sein ganzes Leben und er verkündigte sie mit Eifer. Damit beeindruckte er viele Menschen und ermutigte sie, ebenfalls ein Leben zu führen, das von der Liebe zu Gott und den Menschen geprägt ist.

Bis ins hohe Alter war Otto einsatzbereit und half gerne – da fuhr er dann und wann mit dem Auto voll Holz und Werkzeug zu seiner Tochter Ruth, um kaputte Ziegenzäune und beschädigte Ziegenhütten zu erneuern oder zu reparieren.

In den letzten Lebensjahren litt er wie sein Vater vor ihm an einer Demenzerkrankung. Unterstützt von Peter, dem im gleichen Haus wohnhaften ältesten Sohn, übernahmen Anita und Judith im Rahmen einer 24-Stunden-Betreuung den Dienst, sich liebevoll um ihn zu kümmern. Anita liebte ihn wie ihren eigenen Vater.

Am 2. Mai 2015 im 86. Lebensjahr schlief er ein.

Ein langjähriger Kollege erzählt von ihm:
Seine christozentrische Erlösungsbotschaft hat viele ermutigt, eine ungeteilte Hingabe an Jesus zu vollziehen und eine lebendige Beziehung zu Jesus zu pflegen! Nun hat ihn Gott zur Ruhe gelegt. Aber der ausgestreute Same kann durch die Gnade und Kraft Gottes, weiterhin aufgehen!

Die von ihm geleiteten Bibelrunden in Wien sind den damaligen Teilnehmern noch heute in guter Erinnerung.

Eine Person meinte über den prägenden Einfluss von Otto Krumpschmid: Ich weiß nicht, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn er nicht so konsequent und kompromisslos in der Verkündigung gewesen wäre.

Als Kollegen werden wir ihn in liebevoller Erinnerung behalten.

Wir sprechen seiner lieben Frau und der ganzen Familie unsere aufrichtige Anteilnahme aus und freuen uns auf ein Wiedersehen, wenn Jesus wiederkommt, um alle Tränen abzuwischen, das Leid dieser Welt zu beenden und eine neue Welt zu schaffen, in der es keine Not, keine Krankheit und keinen Tod mehr gibt.

Oliver Fichtberger
im Namen der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Österreich

Autor: Oliver Fichtberger

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