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09.01.2023

Abschied von einem lieben Kollegen

Am 9. Dezember 2022 verstarb Friedrich Wagner, Pastor im Ruhestand, im 98. Lebensjahr.

"Ich hatte das Vorrecht in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in 20 Adventgemeinden vom Bodensee bis Wien Gottes Wort & unseren Erlöser Jesus Christus zu verkündigen. Die biblische Verheißung von Jesu Wiederkunft und die Auferstehung der Gläubigen waren Teil meines Lebens.”

“Gott ist mit mir gewesen auf dem Wege, den ich gezogen bin.” 1. Mose 35,3

Mit diesen Worten und dem Bibelzitat blickte Friedrich Wagner auf sein Leben und seinen Dienst zurück. In jungen Jahren hätte wohl keiner vermutet, dass er einst sein ganzes Leben Gott weihen würde. Er wurde am 16. Mai 1925 in Salzburg geboren, verbrachte die ersten zehn Jahre seines Lebens in Spitz an der Donau in der Wachau. Er liebte die Gegend, den Hausberg Jauerling, die Burgruine Dürnstein und die damals noch "lebendige” Donau. 1935 zog die Familie nach Salzburg. Für die Eltern, obwohl katholisch, spielten Glaube oder Religion keine Rolle, er selbst entdeckte mit 12 Jahren seine Liebe zur Geschichte, brach aber mit der Kirche und mit Gott, wie er in den handschriftlichen Notizen zu seinem Leben festhielt. Zeitgleich mit der Liebe zur Geschichte entwickelte er auch großes Interesse an der Seefahrtkriegsmarine und hegte den Wunsch, ein U-Boot Offizier zu werden. Mit der Beförderung des Vaters in die Reichspostdirektion wurde die Familie 1938 nach Wien versetzt. Die dort ebenfalls angesiedelte Bibliothek wurde von Friedrich sehr gerne aufgesucht, weil dort “A, eine schöne blonde Bibliothekarin war” und B, die Bibliothek groß, reichhaltig und frei zugänglich war. Er verbrachte dort “schöne Lesejahre”.

Seine Ausbildung an einer technischen Schule konnte er nicht beenden, weil er eingezogen und zu seiner großen Enttäuschung zwei Mal als untauglich für die Kriegsmarine befunden wurde. Im Rückblick erinnert er sich an mindestens sieben Gelegenheiten, in denen Gott ihm in seinem Soldatenleben half, obschon er zu diesem Zeitpunkt noch ungläubig war und blind für die Spuren Gottes in seinem Leben. Auf dem Koppelschloss seines Gürtels war “Gott mit uns” eingraviert und als er in Frankreich im berüchtigten Camp 404 Kriegsgefangener war, begann er “zu grübeln”. Ein Kamerad erzählte ihm von der komischen Religion seiner Mutter, konnte sich an deren Namen aber nicht erinnern.  Nach dem Krieg konnte er in Wien den Abschluss seiner technischen Ausbildung nachholen. Eines Tages erhielt er ein Paket von jenem Kameraden im Camp 404, in dem eine Bibel und drei Hefte eines Bibelfernkurses waren. War es einst die Liebe zur Geschichte gewesen, die ihn von Gott wegbrachte, so fesselte ihn nun die biblische Geschichte, allem voran die Prophezeiungen im Buch Daniel. Je mehr er las, desto mehr wuchs sein Glaube an Gott. Er ließ sich taufen und wurde Mitglied in der Kirche der Siebtenten-Tags-Adventisten, was seine Eltern leider nie gutheißen konnten. Es drängte ihn, die Bibel noch besser kennen zu lernen und so gehörte er zu einem der ersten Jahrgänge der 1949 gegründeten Missionsschule im Schloss Bogenhofen, Nähe Braunau am Inn. Damals dauerte die Ausbildung zwei Jahre und in Folge wirkte er als Pastor in Salzburg, Hallein, Bad Ischl, Gmunden, Braunau, Bregenz, Dornbirn, Villach, Feldkirchen, Spittal, Graz, Voitsberg, Deutschlandsberg, Gleisdorf, sowie in 6 Wiener Gemeinden. Am Anfang seines Dienstes betreute er von Salzburg aus auch die Gemeinde in Bad Ischl und fuhr von dort mit dem Fahrrad nach Ebensee, um mit einer jungen Frau die Bibel zu studieren. Dort lernte er auch deren Schwester Ingeborg kennen und lieben, 1958 heirateten die beiden und übersiedelten nach Dornbirn, wo 1961 Tochter Klaudia geboren wurde.

Klaudia erzählt, dass sie Gott durch das Leben ihres Vaters kennenlernte, er lebte, was er predigte. Es prägte sie, wie dankbar, zufrieden, bescheiden, beständig und demütig er war.  Er konnte gut zuhören, war konstant freundlich und einfühlsam, das war seine besondere Stärke, dadurch wurde er für viele ein Hirte, ein geschätzter Seelsorger, im wahrsten Sinn des Wortes. 1998 verstarb seine Frau Ingeborg, was dazu führte, dass er viel Zeit mit seiner Tochter verbrachte, die rückblickend sagt: “Ich bin Gott von Herzen dankbar, dass er mir so einen Vater geschenkt hat, der es mir leicht gemacht hat, an einen liebenden himmlischen Vater zu glauben.”

In seinen letzten Tagen wurde er von einem langjährigen Freund besucht. Weil Friedrich schlief, unterhielt sich der Freund die meiste Zeit mit Klaudia. Plötzlich öffnete Friedrich seine Augen und sagte – mit jedem Wort einen Finger austreckend: Der Herr ist mein Hirte! Wenn er zeitlebens ältere Menschen besuchte, tröstete er sie mit seiner kleinen “Fünf-Finger-Predigt": Der – nicht irgendwer; HERR – Jahwe, der ewige Gott; ist – und nicht war; mein – nicht nur ein, sondern mein ganz persönlicher; Hirte – der weiß, was ich brauche und für mich sorgt.

Auf der Rückseite eines Zahlscheines – sparsam war er auch, viele Stichworte zu Predigten  finden sich auf solch kleinen Zetteln – hielt er einen Abschiedsgruß fest:

Johannes 14,1-3

Liebe Familie -
AUF WIEDERSEHEN ->
Bitte bleibt bei + MIT IHM!
Gott liebt Euch + wird MIT + Für
Euch Licht + Hilfe sein!

An ALLE -> Familie
               -> Freundeskreis
Allerliebste Grüße
+ Herzens Segenswünsche!!!

In Johannes 14, 1-3 steht:

“Euer Herz erschrecke nicht, glaubet an Gott und glaubet an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin."

Dieses Versprechen Jesu gab ihm Zuversicht und er ruht nun in der festen Hoffnung, dass Jesus es wahr machen wird.

Ich persönlich durfte Friedrich Wagner einige Mal begegnen: ich hatte gerade als junger Pastor meinen Dienst begonnen, er war schon an dessen Ende, als er in einer Gesprächsrunde nach einer Wortmeldung von mir meinte, nun habe er etwas dazu gelernt. Im Hinblick auf sein enzyklopädisch anmutendes Wissen wirkte dieser Satz auf mich erstaunlich. Als ich einmal gemeinsam mit ihm und einigen Kollegen von Wien nach Villach fuhr, deutet er nach den ersten zurückgelegten Metern im Auto auf ein Gebäude und erzählte, was sich dort Geschichtsträchtiges abgespielt hatte, kurz darauf wusste er zu einem anderen einiges zu sagen und überhaupt lauschten wir fasziniert die ganze Fahrt von Wien bis nach Villach seinen Erzählungen. Ich erlebte ihn bis ins hohe Alter als frisch, wach und am Leben und den Menschen interessiert.

So wie er dankbar war, ein erfülltes Leben gehabt zu haben und sich am Ende schon freute, in Ruhe auf Jesus zu warten, dürfen alle, die ihn kannten in diese Dankbarkeit einstimmen und sich auf ein Wiedersehen freuen!

Die Familie möchte im engsten Kreis Abschied nehmen und bittet darum, im Sinne des Verstorbenen die Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe zu unterstützen: Nicht Geld für die Toten, aber Hilfeleistung für das Überleben von Kindern.

ADRA AT37 1100 0086 1666 6700

Bildnachweis: Familie Wagner