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11.07.2010

Adventisten leben länger – die Methusalem-Gene

Die Lebenserwartung in den Industriestaaten steigt weiter an. Hundertjährige könnten in Zukunft zur Normalität werden. Was diese besonders alten Menschen heute schon auszeichnet, haben nun Genetiker entdeckt: rund 150 Erbgutmerkmale!

Die Lebenserwartung in den Industriestaaten steigt weiter an. Hundertjährige könnten in Zukunft zur Normalität werden. Was diese besonders alten Menschen heute schon auszeichnet, haben nun Genetiker entdeckt: rund 150 Erbgutmerkmale, die sie von ihren Mitmenschen unterscheiden.

Das Team um Paola Sebastiani und Thomas Perls von der Boston Universität schätzt, dass fast jeder siebte Mensch (15 Prozent) über diese Genkombination für Langlebigkeit verfügt.

Doch nur jeder Hundertste wird tatsächlich so alt. Dass die anderen genetisch Begünstigten früher sterben, könne an ihrer Ernährung, Bewegungs- oder Schlafmangel, Alkohol, Zigaretten oder einem Unfall liegen, erläuterten die Experten. Im 20. Jahrhundert seien außerdem Millionen von Menschen in relativ jungen Jahren im Krieg gestorben - ob für ein langes Leben prädestiniert oder nicht.

Suche bei den Hundertjährigen

Auf der Suche nach den entscheidenden Anlagen durchsuchte das Team in Boston das Erbgut von 1.055 sogenannten Hundertjährigen und 1.267 Kontrollpersonen. Die "Hundertjährigen" waren im Alter zwischen 95 und 119 Jahren und nach Worten von Sebastiani und Perls oft noch überraschend fit. Je mehr der 150 maßgeblichen Varianten sie in ihrem Erbgut (Genom) hatten, desto länger lebten sie bei relativ guter Gesundheit.

Mithilfe der genetischen Marker können Sebastiani, Perls und Kollegen die Anlage zur Langlebigkeit bereits mit 77-prozentiger Treffsicherheit ermitteln. Das Team entwickelte einen Chip und will in der kommenden Woche eine Internetseite dazustellen. Diese beiden Werkzeuge sollen Laboratorien in absehbarer Zeit erlauben, die Chancen für ein langes und gesundes Leben aus einem Blutstropfen abzulesen.

Altern und Krankheit

Zu den Schlüsselbefunden der Studie zählten die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über das Zusammenwirken von Altern und Krankheit. Bei den Testpersonen mit den Methusalem-Genen würden altersbedingte Krankheiten wie etwa Demenz deutlich später ausbrechen. Dabei sei das Vorkommen von krankheitsverursachenden Genvarianten in der Gruppe der Langlebigen keineswegs geringer als in einer "normalen" Vergleichsgruppe. Die Befunde legten aber nahe, dass die Langlebigkeits-Gene den Ausbruch genetisch vorbestimmter Krankheiten verzögerten.

"Deshalb könnte die Vorhersage von Krankheitsrisiken anhand krankheitsverursachender Genvarianten ungenau und irreführend sein", heißt es in der Studie. Schließlich könnten andere Genvarianten - wie etwa die Langlebigkeits-Gene - das Erkrankungsrisiko mindern. Die Autoren betonten, dass ihr Prognoseverfahren deutliche Grenzen habe. Ob ein Mensch alt wird oder nicht, hänge nicht nur von genetischer Veranlagung, sondern auch von der persönlichen Lebensführung ab.

Nicht-genetische Einflüsse noch wichtiger

Allerdings begrenzen die Daten von Zwillingsstudien den Einfluss der Erbanlagen auf die Langlebigkeit auf gerade 20 bis 30 Prozent, heißt es in "Science". Generell liege die Lebenserwartung in den Industrieländern derzeit bei 80 Jahren.

Wie groß die Rolle nicht genetischer Faktoren wie vegetarische Ernährung, der Glaube und ein enger Familienzusammenhalt sein können, zeigten die Siebenten-Tags-Adventisten.

Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft in den USA leben durchschnittlich 88 Jahre, also acht Jahre länger als andere Amerikaner, wie die Autoren bei der Konferenz betonten. science.ORF.at/dpa/AFP http://science.orf.at/stories/1652330/