24.12.2014

Denn es ist uns ein Kind geboren ...

Bild zum aktuellen Blog-Eintrag

... alle Jahre wieder, und nur einen Tag? Wie Weihnachten jeder Tag im Jahr sein kann.

Als interessierter Beobachter des gesellschaftlichen Geschehens, so gut wie es in den Medien und in den Kontakten zu den Mitmenschen erkennbar ist, wundert es mich immer wieder, welch religiöse Aura bei vielen kurz vor Weihnachten zu spüren ist.

Den Rest des Jahres lassen viele den lieben Gott einen guten Mann sein. Wer schon einmal versucht hat, in einer Runde nicht besonders gläubiger Menschen ein Gespräch über Jesus zu beginnen, erntet meist - und das im besten Falle - höfliche Zurückhaltung oder betretenes Schweigen, wenn nicht gar Spott und Hohn.

Doch kurz vor Weihnachten ist auf einmal von der besinnlichen Zeit die Rede, im Radio werden Weihnachtslieder rauf und runter gespielt, knapp an der Grenze zur Überdosis. Die Klassiker der Weihnachtspopmusik dürfen da natürlich nicht fehlen. So muss alle Jahre wieder der arme Kerl davon singen, dass er beim letzten Weihnachtsfest sein Herz verschenkt hat und die Beschenkte es prompt am nächsten Tag wieder los werden wollte. Was dieses Lied mit Weihnachten zu tun hat, hat sich mir immer noch nicht erschlossen. Vielleicht muss ich es mir einmal aufmerksam bis zum Ende anhören und nicht sofort nach den ersten Takten reflexartig weg schalten.

Doch neben den Weihnachtshits erklingen manchmal auch Lieder, die sowohl berührend gestaltet als auch von der Aussage sehr tief gehend sind. Die Moderatoren des - nach eigenen Angaben meist gehörten Senders Österreichs - nehmen immer wieder mal das Wort Christkind in den Mund, da wird unter dem Stichwort "Weihnachtswunder" für Menschen in Not gesammelt und andächtig davon gesprochen, wie eindrucksvoll ein Gottesdienst im Salzburger Dom ist.

Es scheint ein Sehnen zu existieren, nach einer Geborgenheit, nach einem echten Inhalt, auf den es sich zu besinnen lohnt, jenseits der Spaß- und Konsumgesellschaft. Und dieses Gedenken an die Geburt Christi verschafft - zumindest für kurze Zeit - die Chance, diese Sehnsucht ein klein bisschen zu leben und ganz im Sinne des Kindes in der Krippe, es gut miteinander zu meinen und einander Gutes zu tun.

Dabei könnten wir das immer haben, ein ganzes Jahr, nicht nur wenige Wochen am Ende des Jahres. Jesus kommt nicht "alle Jahre" als Christkind" auf diese Erde wieder. Er ist immer da. Unsichtbar zwar, was es verständlicherweise für manche schwer macht, an ihn zu glauben.

Ich lade Sie an dieser Stelle zu einem Experiment ein: Auch wenn Sie Jesus nicht sehen, stellen Sie sich einfach vor, er wäre da und würde Sie den ganzen Tag wie ein liebevoller Freund begleiten. Sie können ihm - am besten in Gedanken - erzählen, wie es Ihnen geht, was Sie bewegt, was Sie freut, was Sie ärgert. Wenn Sie eine Bibel zu Hause haben, dann können Sie im Evangelium des Lukas in den ersten Kapiteln die Weihnachtsgeschichte lesen - und hören Sie nicht nach dem 2. Kapitel auf, lesen Sie doch noch weiter. Sie können Jesus in diesen Geschichten beobachten, wie er mit Menschen umgeht, wie er Ihnen Würde und Wert gibt und dadurch Licht ins Leben dieser Menschen kommt. Wenn Sie dadurch inspiriert ebenfalls wertschätzend mit anderen umgehen, aufbauende Worte für sie finden und auch mal helfend anpacken - dann können Sie das ganze Jahr eine besinnliche Zeit erleben.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie Jesus wohltuend und lebendig erleben, jeden Tag.

Autor: Oliver Fichtberger
Bildnachweis: Fotolia_7726505_M