07.10.2017

Die Qual der Wahl ...

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Kürzlich meinte eine Politikerin, eine Wahl sei immer die Entscheidung für das kleinstmögliche Übel. Glücklicherweise gibt es auch andere Wahlen in unserem Leben, bei denen dieses Prinzip nicht gilt.

Eine christliche Politikerin meinte kürzlich mit einem durchaus selbstkritischen Blick auf die eigene Partei, eine Wahl sei immer die Entscheidung für das kleinstmögliche Übel. Diese Einschätzung dürften viele teilen, man lese nur einige der Kommentare zu den Berichten über das politische Geschehen dieser Tage. Befragt nach ihrem Vertrauen in verschiedene Berufsgruppen erzielten die Politiker mit Platz 20 das schlechteste Ergebnis, nur 10 Prozent der Österreicher vertrauen ihnen, der Feuerwehr hingegen bringen 96 Prozent der Befragten Vertrauen entgegen.

Nun bringt es wenig, in das allgemeine Wehklagen über die Zustände in der Politik einzustimmen. Vielleicht sollten wir auch nicht vergessen, dass Politiker auch Menschen sind und der politische Betrieb einem Hexenkessel gleicht, der gewaltigen Druck auf die handelnden Personen konzentriert. Manchmal können sie einem wirklich leid tun. Aber natürlich gestaltet jeder Politiker das Klima der Politik mit und niemand ist gezwungen, in die Politik zu gehen. Es sind Menschen, die Politik machen. Wenn vernichtende Stürme durch das politische Geschehen fegen, dann sind das keine Naturereignisse, sondern von Menschen gemachte Katastrophen.

Nun könnte man in die Falle tappen, sich erster Reihe fußfrei genüßlich an der Selbstzerfleischung der Politiker zu weiden. Es ist immer leichter, mit dem Finger auf andere zu zeigen und sich zu empören, was bei denen nicht alles falsch läuft. Gescheiter wäre es allerdings, sich bei der eigenen Nase zu nehmen und sich zu fragen, für welches Klima wir in unserem Einflussbereich sorgen.

Es gibt eine interessante Passage in der Bibel (5. Mose 28-30), in der beschrieben wird, wie Gott durch Mose das Volk Israel zu einer Wahl aufruft. Ausführlich beschreibt er, dass jeder Mensch seines eigenen Glückes Schmied ist, wenn er nur bedenkt, dass alle Entscheidungen Folgen haben. Gute Entscheidungen haben gute Folgen und schlechte eben schlechte. Mit jedem Wort, das wir sagen, mit allem, was wir tun oder lassen, fördern wir entweder das Leben oder stehen ihm im Weg. Diese lange Rede gipfelt in dem eindringlichen Aufruf: "So wähle das Leben, damit du lebst!" (5. Mose 30,19).

So wähle das Leben, damit du lebst!

Genialerweise ist in diese Aufforderung zugleich eine Hilfestellung für eine gute Wahl eingebettet. Hier winkt kein moralischer Zeigefinder, ja brav zu sein und nichts falsch zu machen. Bei jedem Satz, der über meine Lippen will, bei jedem Impuls, dem ich folge, bei allem, was ich tue, kann ich mich fragen: "Dient das, was ich vorhabe dem Leben oder steht es ihm entgegen?" Auch ist das sicher keine Anleitung für ein bequemes Leben und alle Tage Sonnenschein - denn manchmal dient es auch dem Leben, jemand entgegen zu treten, der in Worten oder Taten gerade gegen das Leben handelt. Manche Gewitter sind nötig.

Wähle das Leben - dazu brauchen wir keinen Wahltag, das können wir jeden Augenblick. Und wenn wir uns dessen bewusst sind, merken wir schnell, dass wir selbst in einem hohen Maß das Klima um uns herum gestalten können und damit unser (Wohl)-Ergehen und das der Menschen um uns herum mehr beeinflussen, als jede politische Wahl in unserem Land.

 

Autor: Oliver Fichtberger
Bildnachweis: pixabay