21.08.2020

Ein Stück Herzlichkeit

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Gerade heimgekehrt vom Urlaub, habe ich meinen Computer gestartet und sitze nun über diesen Zeilen. Gestern noch 1.700 km (Luftlinie) von Österreich entfernt, heute wieder in Wien. Was nehme ich mit von den schönen Tagen am Meer?

Die Erinnerung an den Sandstrand, an die Wärme und die südliche Vegetation? Sicherlich, das auch, aber vor allem das wird mir in Erinnerung bleiben: Herzlichkeit und Gastfreundschaft. Da ist Anastasia, die griechische Oma, die den Mini-Market betreut und zum Frühstück frisch gepflückte Feigen vorbeibringt. Da ist Michalis, dem die Ferienanlange gehört und der immer zu einem netten Wort aufgelegt ist. Und auch Nikos werde ich nicht vergessen, den Besitzer der Taverne, der uns mit Süßigkeiten zum Dessert verwöhnte - ohne einen Cent dafür zu verlangen. Kunststück, wirst du nun vielleicht einwenden, diese Menschen leben ja vom Tourismus, was ist da schon Besonderes, freundlich zu den sowieso nicht mehr so zahlreichen Touristen zu sein!? Vielleicht kann ich es nicht gut in Worte fassen, aber es ist dieses Stückchen „mehr“, das aus einem Urlaub etwas Besonderes macht. Dieses „mehr“ an Freundlichkeit, dieses „mehr“ an Herzlichkeit, die den Gast einfach nur freut, ohne dass er dabei an seine Brieftasche denken muss. Es sind Menschen, die etwas von dem hergeben, was sie haben - und das mag eigentlich nicht gar so viel sein. Es sind Menschen wie Anastasia, Michalis und Nikos, die mir das Gefühl geben, willkommen zu sein. Und es sind genau diese Menschen, die mich nachdenklich machen. Wie wohl fühlt sich ein Gast in unserem Land? Wir leben im Überfluss, wäre es da nicht selbstverständlich, den anderen an unseren reich gedeckten Tisch einzuladen? Doch reden wir gar nicht erst vom Fremden, vom Gast, vom Touristen, sondern gehen wir nach innen, zu unserer Gemeinde von Christen in der Nachfolge Jesu. Wenn ich die Bibel lese, gewinne ich den Eindruck, dass die ersten Christen, die junge Christengemeinde diese Herzlichkeit und Freundlichkeit, von der ich schreibe, miteinander geteilt haben. So meint Paulus zum Beispiel im 2. Theassalonicherbrief: „Wir müssen Gott allezeit für euch danken, Brüder, wie es angemessen ist, weil euer Glaube reichlich wächst und die Liebe zueinander bei jedem einzelnen von euch allen zunimmt …“ (2.Thess.1,3). Ein wirklich schönes Lob, über das ich mich freuen würde. Doch halt einmal, bin ich überhaupt bereit, meinem Bruder, meiner Schwester in Liebe zu begegnen? Reicht uns nicht schon die gebotene Höflichkeit, sind wir nicht schon stolz, wenn wir Gerüchten, Tratsch und Klatsch nicht unser Ohr öffnen? Brennt unsere Liebe zueinander auf Sparflamme? Wo ist dieses „mehr“ an Freundlichkeit und Herzlichkeit, das das Leben in einer Christengemeinde so besonders macht? Im Urlaub tut sie uns gut, die uns erwiesene Gastfreundschaft. Ich bin mir sicher, wir fühlen uns auch zuhause und in unseren Gemeinden wohl, wenn wir uns gegenseitig dieses Stückchen Herzlichkeit schenken, das so richtig wärmt und froh macht …!

Autor: Claudia Flieder

Bildnachweis: mai05

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