04.09.2020

Er fühlt mit mir!

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Es ist soweit: Der Sommer geht zu Ende und damit auch die Urlaubszeit - der Alltag hat uns wieder! Wie man den Kindern beim Schuleintritt so „positiv“ vor Augen malt – „nun beginnt der Ernst des Lebens“ ...

... so denken auch wir oft, wenn wir die Bürotür öffnen und unsere Arbeit aufnehmen. Schön war der Sommer, wir haben uns im Urlaub (hoffentlich) gut erholt, konnten die Natur genießen oder andere Länder und Städte kennenlernen, haben uns am Strand oder auf der Blumenwiese lang gemacht und die Sorgen des Alltags für ein paar Tage erfolgreich vergessen oder verdrängt. Jetzt aber: Urlaub ade und wir sind wieder im grauen Alltag gelandet! Nun heißt es wieder früh aufstehen und sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen.
Vielleicht geht es dir ähnlich wie mir - wir haben eben nicht ständig Hochgefühle, sind nicht immer „gut drauf“. Hilft uns der Glaube bei starken Gefühlen? Glaube und Gefühle müssen nicht in Widerspruch stehen. Den richtigen Umgang mit Gefühlen lernen wir von Jesus. Die Evangelisten schildern Jesus nicht abgehoben und erhaben über allem Gefühl stehend.

Ich muss da an die Szene denken, als Jesus vom Ölberg auf die Stadt Jerusalem herabblickt und die Stadt vor ihm liegt: „Und als er sich näherte und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn auch du an diesem Tag erkannt hättest, was zum Frieden dient!“ Lukas 19,41.42. Gott ist das Leben der Menschen nicht egal. Unser Schicksal ist ihm nicht gleichgültig. Er hat den höchsten Preis dafür bezahlt, damit wir gerecht und Bürger seines Reiches werden können. Erinnere dich an das Gleichnis vom verlorenen Schaf. Der Hirte freut sich, als er sein Schäfchen wiederfindet - und der ganze Himmel freut sich, wenn ein Mensch zu Gott umkehrt (Lukas 15,7; vgl. V. 10)! Jesus ist also vertraut mit Trauer und Freude. Das bedeutet für mich als gläubiger Mensch, dass ich mich in meinen Gefühlen verstanden weiß. Da ist ein Gott, gnädig und barmherzig, liebevoll und freundlich, der mit uns durch jede Situation geht.
Und was ist mit unserer Traurigkeit, mit unserer Wut, unserem Zorn, Bitterkeit, Frust, Neid – und was man hier noch so alles anführen könnte? „Schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht“ - werden wir in Psalm 62,9 ermutigt. Wir sind mit unseren Gefühlen nicht allein. Gerade in den Psalmen kann man nachlesen, wie ehrlich David vor Gott tritt und ihm all seine Not klagt. Wir schrecken vielleicht zurück angesichts seiner Offenheit. Kann man so mit Gott reden? Doch andrerseits: Was sollten wir vor ihm verbergen? Kennt er uns nicht durch und durch (Psalm 139)? Was David in seinen Gebeten erlebte, das gilt auch für uns heute: Bei Gott kommen wir zur Ruhe – egal, wie wir uns gerade fühlen.

Autor: Claudia Flieder

Bildnachweis: coloniera2

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