03.01.2020

Geschenkte Zeit

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Nun liegt es schon einige Tage hinter uns, das „Fest der Liebe“, wo wir einander alle möglichen kleinen und großen Päckchen überreicht haben.

Weihnachten ist vorbei – doch manche Geschenke erinnern uns ein Jahr lang daran. Sie machen Freude und erweisen sich als nützlich oder sind einfach schön. So manches andere Präsent ist schon wieder zerbrochen, liegt verstaubt im Regal oder wurde längst umgetauscht. Doch was ist mit dem kostbarsten Geschenk - der Zeit? Hast du Zeit geschenkt bekommen? Zeit, um gemeinsam etwas zu unternehmen, um einander ein gutes Buch vorzulesen, Zeit für einen Spaziergang oder eine Tasse Tee und einen freundschaftlichen Plausch dabei? Haben wir Zeit für den Partner/die Partnerin, für die Kinder, für die Nachbarn, für den Arbeitskollegen und den Bekannten? „Zeit ist kostbar“ sagen wir und meinen damit, dass wir die uns anvertraute Gabe „Zeit“ gut verwalten müssen. Was ist vorrangig und wichtig? Welche Aufgaben müssen sofort erfüllt und welche können auf später verschoben werden? Im Stress und in der Hektik übersehen wir dabei manches Mal das Kleine, Stille, Einfache, für das wir eben keine Zeit haben. Ein fragender Blick aus Kinderaugen, die Tante, die im Altersheim vor dem Telefon sitzt und auf einen Anruf wartet, der Nachbar, der Hilfe für einen Behördengang bräuchte – haben wir die Zeit dafür? Das Seltsame ist ja, dass uns die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt, während wir uns doch so bemühen, sie einzusparen. „Die Arbeit läuft dir nicht davon, während du deinem Kind den Regenbogen zeigst, aber der Regenbogen wartet nicht, bis du mit der Arbeit fertig bist“, sagt ein altes chinesisches Sprichwort. Darin steckt viel Weisheit. Stichwort „Weisheit“: Auch in der Bibel werden wir aufgefordert, im Heute zu leben, die Zeit „auszukaufen.“ Epheser 5,16. Fragt sich nur, wie wir die Zeit nützen. Denn verfügen können wir darüber nicht - sie vergeht, ob wir wollen oder nicht. Was wir aber in der uns geschenkten Zeit tun, welche Prioritäten wir setzen - das liegt sehr wohl in unserer Hand. Noch liegt der Großteil des Jahres vor uns, gerade eben haben wir erst Neujahr gefeiert - und sind schon wieder mitten drin im Alltag? Eilen von Termin zu Termin und verplanen auch die Freizeit, sodass kaum Zeit zur Ruhe und Besinnung bleibt. Zeit mit Gott? Zeit hat auch mit Glauben zu tun. Wie viel Zeit nehme ich mir zum Bibellesen, zum Gespräch mit Gott, zum Gottesdienst? Wenn wir unseren Tagesablauf einmal mit kritischen Augen betrachten, fällt uns oft auf, dass die wirklich wichtigen Angelegenheiten, das Lesen der Bibel und das Gebet, viel zu kurz kommen. Martin Luther meinte, dass er an jenen Tagen, an denen er viel Arbeit hatte, auch viel beten hätte müssen. Eine gute Ermutigung für uns heute, das Geschenk der Zeit wieder behutsam in unsere Hände zu nehmen und mit Gottes Hilfe und im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus achtsam damit umzugehen.

Autor: Claudia Flieder

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