05.11.2021

Herzenswärme

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Während ich diese Zeilen schreibe, sehe ich durch mein Fenster, wie der Wind die Bäume beutelt und die letzten Blätter von den Ästen fallen. Es ist die Zeit, in der wir die dicken Mäntel aus den Kleiderschränken hervorholen und

die Mützen vom Vorjahr suchen. Ich bin froh, dass ich in einem warmen Zimmer sitze und neben mir eine Kerze brennt. Sie verbreitet wohlige Atmosphäre, einen angenehmen Lichtschein und das Gefühl von Wärme. Das ist es, was wir jetzt brauchen: einen Schutz gegen die Kälte. Aber ist das wirklich von der Jahreszeit abhängig? Viele Menschen klagen heute, dass es in unserer Gesellschaft immer „kälter“ wird. Und damit sind nicht niedrige Temperaturen gemeint, sondern der innere Zustand des Menschen – die soziale Kälte oder eben die Herzenswärme. Auch Christen leiden darunter, wenn in unseren Gemeinden vielleicht manchmal mehr gejammert und getratscht wird, als geliebt. Auch hier gibt es „Außenseiter“, die innerlich frieren … Egoismus ist der zwischenmenschlichen „Wärme“ ebenfalls abträglich: Ich drehe mich nur noch um mich selbst und nehme die Bedürfnisse und Nöte des anderen nicht mehr wahr. Was mich betrifft, ist vorrangig. Und die Temperaturen sinken …
Da fällt mir ein Text aus dem Römerbrief ein: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Denn wer in diesem dem Christus dient, ist Gott wohlgefällig und den Menschen bewährt. So lasst uns nun dem nachstreben, was dem Frieden, und dem, was der gegenseitigen Erbauung dient. Römer 14,17-19. Unser Auftrag ist es, Frieden untereinander zu fördern und die „Gute Nachricht“ zu verbreiten. Doch zurück zur eben zitierten Bibelstelle: Das ist leichter gesagt, als getan, nicht wahr? Wie kann ich meinen Mitmenschen dienen, andere erbauen, wenn ich doch selbst mitten in den Problemen und Herausforderungen des Alltags stecke? Wenn ich mich gerade in einer Krise befinde, nicht mehr weiter kann, vor Sorgen nicht mehr weiß, wohin? Wenn ich mir am liebsten die Decke bis über den Kopf ziehen möchte, um innerlich nicht zu „frieren“? Es ist klar: Wir brauchen einen „Wärmespender“, einen „Ofen“ für unser Herz, der nie ausgeht. Und da sind wir schon direkt bei Jesus Christus angelangt. Er hat Licht und Liebe – „Herzenswärme“ – in diese dunkle, kalte Welt gebracht. Nah bei ihm tauen die „frostigsten“ Menschen auf; nah bei ihm wärmen wir uns auch gegenseitig. Wo Jesu Liebe wirkt, da werden Gräben überbrückt, da reichen Feinde sich wieder die Hände, da bleibt niemand mehr „draußen“ in der Kälte stehen. Und so möchte ich mit einer Strophe aus dem bekannten Lied „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer schließen: „Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht. Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.“

Autor: Claudia Flieder

Bildnachweis: iStock/Shaiith

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