21.05.2021

Ich bin was wert!

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Es war an einem sonnigen Frühlingstag vor einigen Jahren. Mein Bekannter Gerold, damals 64 Jahre alt, wollte eine Kiste Mineralwasser von der Gartentür ins Haus hineintragen.

Bei den Stufen zur Haustür musste er die Kiste absetzen. Unglücklich blickte er mich an und sagte: „Ich schaffe das nicht. Ich bin nichts mehr wert.“ Natürlich half ich ihm bei den letzten Metern, doch seine Aussage ließ mich nicht mehr los. Wann ist man „etwas wert“? Ein Blick in die Trends unserer heutigen (westlichen) Gesellschaft gibt uns scheinbar eine Antwort. Der Wert eines Menschen hängt mit dem zusammen, was er leistet, besitzt und aus sich macht. Das bringt ihm Ansehen und Wertschätzung. Dabei ändern sich die Wertmaßstäbe unserer Gesellschaft immer rascher. Was war zu Zeiten unserer Großeltern „wertvoll“? Was ist es heute? Auf jeden Fall zählen Geld und Schönheit zu den Dingen, aufgrund deren man Menschen beurteilt. Willst du mithalten, brauchst du genügend finanzielle Mittel. Auch um dir Ansehen zu verschaffen. Und denken wir erst an den Bereich der Schönheit! Ich gebe zu, ich kaufe auch gerne moderne Kleidung und ein nettes Aussehen ist mir nicht unwichtig. Doch was sich in der Modeindustrie abspielt, geht – sprichwörtlich gesagt – auf keine Kuhhaut mehr. Unsummen werden in Oberflächlichkeit investiert. Doch wir sollten nicht schnell mit unserem Urteil sein. Denn oft ist es die innere Leere, die Menschen dazu treibt, viel Zeit und Geld für Äußeres zu investieren. Und damit sind wir wieder beim „Wert“. Wenn die inneren Werte fehlen, werden materielle Werte wichtiger. Denn irgendetwas braucht der Menschen, an dem er sich orientieren und ausrichten kann. Wer oder was ist mir wertvoll? Wenn Jesus durch die Bibel meine Wertmaßstäbe definiert, dann weiß ich mich in Jesus wert geachtet. Dann muss ich meinen Wert nicht durch äußerliche Dinge oder andere Menschen bestimmen lassen. Dann weiß ich, ich bin etwas „wert“, auch wenn ich nichts mehr „leisten“ kann. Denn Gott liebt nicht nur die „Starken“. Sind es in der Bibel nicht oft gerade jene, die das Angebot der Gnade ablehnen, weil sie meinen, es nicht zu „brauchen“? Jesus hat in der Bergpredigt die Wertmaßstäbe seiner (und unserer) Zeit auf den Kopf gestellt. „Selig sind …“ – nicht die Schönen, Reichen, sondern jene, die innere Werte wie z. B. Barmherzigkeit haben. Die sich ihrer Schwachheit nicht schämen, sondern Jesus nachfolgen, auch wenn es nicht leicht ist. Um zum Anfang zurückzukehren: Gerold lebt leider nicht mehr. Heute würde ich ihm sagen: „Du bist nicht wertvoll, weil du eine Kiste Mineralwasser tragen kannst. Du bist wertvoll, weil du ein geliebtes Kind Gottes bist!“ Diese Gewissheit wünsche ich auch dir!

Autor: Claudia Flieder

Bildnachweis: freepik

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