04.12.2020

Liebe ist ... ein Tunwort!

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Wer kennt sie nicht, diese netten Bildchen: Im oberen Teil stehen die beiden Worte „Liebe ist …“ darunter eine Zeichnung, auf der SIE und ER in irgendeiner Szene zu sehen sind.

Ganz unten wird dann der Satz „Liebe ist …“ weitergeführt. Seit 1971 werden auf diese Weise ständig neue Aspekte der Liebe dargestellt.
Heute möchte ich mich mal als „Liebe ist …“-Erfinder versuchen. Zumindest in Worten, denn Zeichnen liegt mir nicht so. Mein Satz lautet: Liebe ist … ein Tunwort.


 Kann sein – das klingt nicht umwerfend. Wahr ist es trotzdem. Es war auf einem Seminar. Der Referent zeigte auf, warum jeder selbst für die eigenen Gefühle und Gedanken verantwortlich ist. In einer Pause kam einer der Besucher zu ihm und meinte, das mit den Gefühlen wäre keine so einfache Sache, zum Beispiel liebte er seine Frau nicht mehr und es würde ihn interessieren, was er da denn machen könne. Der Referent antwortete: „Lieben Sie sie!“ Der Besucher meinte, der Referent habe ihn nicht verstanden und wiederholte, dass er keine Liebe mehr für seine Frau empfände. Doch der Referent wiederholte: „Wenn Sie ihre Frau nicht mehr lieben, dann können Sie das nur ändern, indem Sie sie wieder lieben.“ Wieder meinte der Besucher: „aber die Gefühle …“ Worauf der Referent erwiderte: „Liebe ist mehr als ein Gefühl, Liebe ist ein Tunwort!“


Da nicht ich dieser Referent war, gebe ich hiermit zu, dass ich diesen Satz also doch nicht erfunden habe. Der Referent im Prinzip auch nicht. Denn schon vor 2000 Jahren schrieb der Apostel Johannes in seinem ersten Brief: „Kinder, lasst uns nicht nur mit Worten lieben, sondern sie in glaubhaften Taten beweisen.“ 1. Johannes 3,18, in eigenen Worten. Oder Paulus, der im Hohelied der Liebe – 1. Korinther 13 – nicht beschreibt, wie sich Liebe anfühlt, sondern was sie tut. In Römer 12 geht er sogar so weit, Liebe als ein Handlungsprinzip zu beschreiben, das sogar dem Feind Gutes tut.


Liebe ist ein Tunwort. Von romantischen Gefühlen in meinem Herzen, an denen ich mich labe, hat meine liebe Frau so gut wie gar nichts, wenn ich ihr nicht auch mit Taten zeige, dass ich sie lieb habe. „Ich liebe dich“ ist schnell gesagt, aber mit dem Hund raus gehen, wenn es gerade schüttet oder den Müll raustragen, den Geschirrspüler ausräumen oder trotzdem zu reden bereit sein, wo ich doch schon so müde bin … Taten machen die Liebe spürbar. Und es ist schon seltsam: Wenn ich etwas gern für jemand anderen tue, dann tut mir das auch gut. Und es verbindet. Wer Liebe tut, wird auch Liebe empfinden.   

Autor: Oliver FIchtberger

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