20.11.2020

Lieber Gott, Weihnachtmann!

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Da ja praktisch Ende August in vielen Lebensmittelgeschäften die Vorweihnachtszeit losgeht, was ich meist an der Rückkehr der leckeren Früchtelebkuchen erkenne, dachte ich mir,

dass ich auch durchaus im November schon einen Beitrag zum Thema Weihnachtsmann schreiben kann. Ich habe übrigens nie verstanden, was der Weihnachtsmann mit der Geburt Jesu zu tun hat – an die zu Weihnachten ja eigentlich gedacht werden soll. Dennoch denke ich indirekt über den Weihnachtsmann nach und zwar im Rahmen folgender Frage, die ich irgendwann aufgeschnappt habe: „Ist der liebe Gott für mich der Weihnachtsmann, der mir meine Wunschliste erfüllen soll?“


Zur Weihnachtszeit haben Wunschlisten Hochkonjunktur.  An Gott adressierte Wunschlisten sind jedoch an keine Jahreszeit gebunden. Als ich ehrlich über meine Gebete nachzudenken begann, konnte ich die Ähnlichkeit mit Wunschlisten nicht leugnen. Bitte tu dies, bitte hilf mir da, sei mit diesem und auch jenem. Wobei es sicher nicht falsch ist, Gott alles zu sagen, was ich auf dem Herzen habe. Doch gibt uns Gott in der Bibel Hinweise, dass es noch einen Weg darüber hinaus gibt?


Jesus versprach seinen Nachfolgern: „Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun!“ Johannes 14,14. Ich bezweifle stark, dass er damit meinte, dass wir in jedem Gebet am Schluss nur die Floskel „im Namen Jesu“ anhängen müssen wie ein magisches Simsalabim, das auf jeden Fall für Erhörung sorgt. Wenn ich etwas im Namen eines anderen tue, bedeutet das, dass es in seinem Sinne sein muss. Im Namen Jesu zu bitten bedeutet also, so zu bitten, wie er an meiner Stelle bitten würde.


Das hat mir eine völlig neue Perspektive auf mein Gespräch mit Gott gebracht. Seither halte ich manchmal inne, wenn sich meine oft gegenseitig widersprechenden Bedürfnisse mit ihren Wünschen auf meine Liste drängen und frage Gott: „Vater, du kennst mich besser, als ich mich selbst kenne. Du meinst es gut mit mir. Was meinst du, was ich jetzt brauche? Worum soll ich dich bitten?“


Durch dieses Nachdenken im Gebet bekomme ich Distanz zu meinen Wünschen, weil ich kritisch hinterfrage, was ich zu brauchen meine. Wenn ich Gott mit meiner Liste bestürme, entgeht mir so viel, weil ich darüber leicht vergesse, dass Gottes Sicht auf mich viel weiter ist. Statt Gott zu erklären, was ich von ihm will, kann ich ihn auch fragen, was er denn von mir möchte. Da Gott es von Herzen gut mit uns meint, wird alles, was er von mir will, nur das Beste für mich sein. Wer das erlebt hat, kann sagen: „Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern!“ Psalm 40,8.

Autor: Oliver FIchtberger

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