20.08.2021

Löcher in die Dunkelheit bohren

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Von Robert Louis Stevenson, dem späteren Autor der Abenteuergeschichte „Die Schatzinsel“ erzählt man, dass er als Kind den Laternenanzünder beobachtete, der am Abend durch die Gassen einer schottischen Stadt zog und alle Straßenlaternen anzündete.

Begeistert drehte er sich zu seinen Eltern und meinte: „Schaut, die bohren Löcher in die Dunkelheit!“

Schade, dass der Beruf des Laternenanzünders ausgestorben ist. Heute gehen abends die Lichter automatisch an und wir empfinden das als selbstverständlich. Es muss schon ein schönes Empfinden gewesen sein, als Laternenanzünder Löcher in die Dunkelheit zu bohren und allen, die in der Nacht unterwegs sein mussten, ihren Weg etwas sicherer und leichter zu machen.

Auch wenn heute das E-Werk den Strom schickt, der die Laternen des Abends hell macht, gibt es genug Dunkelheit, gegen die Strom alleine nicht hilft. Zwar habe ich erst kürzlich gelesen, dass eine funktionierende Straßenbeleuchtung in Städten dazu beiträgt, dass weniger Verbrechen geschehen und z. B. Frauen weniger fürchten müssen, Opfer von Gewaltverbrechen zu werden – doch das Dunkel der Nacht ist im Grunde nicht das Problem. Gott hat die Dunkelheit geschaffen, damit wir zur Ruhe kommen können. Manche schlafen umso besser, je finsterer es ist. Warum passiert dann gerade in der Dunkelheit so viel Böses? Weil es in den Herzen und Gedanken vieler Menschen so viel Dunkel gibt. Oder genauer gesagt: bei allen Menschen. Wer sich nicht fürs Licht entscheidet, lebt automatisch im Dunkeln. Daher werden auch heute noch Laternenanzünder gebraucht, die Löcher in die Dunkelheit bohren. Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Johannes 8,12 NBH. Und dieses Licht ist nichts, was wir egoistisch für uns verbrauchen sollen, denn wollten wir es nur für uns haben, dann müssten wir es quasi unter einen Kübel stellen. Auf einem Leuchter bringt es aber eindeutig mehr, wie Jesus in der Bergpredigt treffend beschreibt.

Wenn Jesus uns das Licht des Lebens verspricht, dann will er uns genau darauf hinweisen, dass dieses Licht nicht nur für uns scheint – es durchdringt unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Worte und prägt, was wir tun, sodass wir Licht um uns verbreiten und damit Löcher in die Dunkelheit bohren. Wenn wir das wollen – es ist eine tägliche, oder manchmal sogar eine Entscheidung von einer Minute zur anderen: Wenn jemand schlecht gelaunt ist und mich anraunzt – dann muss ich mich zwischen Licht und Finsternis entscheiden: Gebe ich ein gütiges Wort zurück und bin einfühlsam oder donnere ich zurück? Ob das Licht in meinem Leben hell sein kann, kann ich nicht ein für alle Mal entscheiden – ich ziehe wie der Laternenanzünder von Lampe zu Lampe, von einer Gelegenheit zur anderen und stehe immer wieder vor der Entscheidung: Bohre ich ein Loch in die Dunkelheit oder bleibt es dunkel?   

Autor: Oliver Fichtberger

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