01.03.2019

Maskerade

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Weihnachten und Neujahr haben wir gut hinter uns gebracht – nun steht der Fasching an. Fasching? Wie bitte? Damit wollen wir Christen ja in der Regel nichts zu tun haben, denn Verkleiden, närrisches Treiben und Maskerade stehen uns nicht an.

Sicher nicht? Wieso tragen wir dann dennoch unsere Masken? Jede Woche putzen wir uns für den Gottesdienst schön heraus und ziehen sie an – unsere frommen Masken. Was unter der Woche war, wie es in unserem Herzen aussieht, das geht doch wohl niemand etwas an. Wirklich nicht? Gott-sei-Dank können wir IHN nicht täuschen, den Gott unseres Lebens, der uns besser kennt als wir uns selbst – wie David schreibt: „HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.“ (Psalm 139, 1-3). Eine Erkenntnis, die Angst macht? Nicht, wenn ich Gott vertraue, dass er es gut mit mir meint. Leben mit Maskerade ist Täuschung, letztlich auch eine Täuschung vor uns selbst. Von daher hat auch das Wort Ent-täuschung seine Berechtigung: es ist besser, ohne Täuschungen zu leben, denn dann kann Neues passieren, dann bin ich frei für Veränderungen, dann kann Gottes Heil in meinem Leben Wirklichkeit werden. Nicht umsonst legt die Bibel so großen Wert auf Ehrlichkeit und Wahrheit. Um es noch deutlicher auszudrücken: als „Vater der Lüge“ bezeichnet Jesus den Teufel selbst (Joh. 8, 44). Menschen, die Gott kennen und vertrauen, haben Mut zur Wahrheit und leben aufrichtig, denn sie wissen: Die „Wahrheit macht frei“ (Joh. 8, 32). Wie gut würde es unseren Kirchen tun, wenn wir als Gläubige einander ohne Täuschung und Maskerade begegneten! Wenn einer dem anderen sagt: „Du, ich will ganz ehrlich sein, mir geht es derzeit nicht so gut, ich habe große Probleme – bitte, kannst du für mich beten?“ Und wenn der andere versteht: Wir sind füreinander da. Wenn wir einander aufrichtig und in Liebe begegnen, dann können Wunden heilen und Kirchen halten zusammen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Wahrheit kann ich vom anderen nicht einfordern und ihn schon gar nicht dazu zwingen. Aufrichtigkeit kommt aus einem Herzen, das Vertrauen wagt und sich öffnet, so verletzlich, wie es eben ist. Von uns ist daher auch gefordert, behutsam mit dem umzugehen, was andere uns anvertrauen. Klatsch und Tratsch hat in der Kirche nichts zu suchen, von übler Nachrede gar nicht zu sprechen. Ein Leben ohne Maskerade – letztlich werden wir alle davon profitieren, wenn wir uns das Wort des Apostels Paulus zu Herzen nehmen: „Da ihr eure Seelen durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungeheuchelten Bruderliebe gereinigt habt, so liebt einander anhaltend, aus reinem Herzen!“ (1. Petrus 1, 22 EB). In diesem Sinne: Viel Mut zu einem Leben ohne Maskerade!

Autor: Claudia Flieder

Bildnachweis: bigstock

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