01.10.2021

Nomen est omen

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„Nomen est omen“, eine lateinische Redensart, bedeutet: „Der Name ist ein Zeichen“. Schon lange bevor ein kleiner Mensch geboren wird, studieren und überlegen die Eltern voll Liebe, wie ihr Baby heißen soll.

Unser Name begleitet uns durchs Leben. Ob gerade geboren oder im Zenit unserer Lebensgeschichte und auch im Alter macht der Name uns zu einer unverwechselbaren Person. Ohne Namen ist man ein Niemand, mit Namen wird man ein Jemand mit einem einzigartigen Charakter und Aussehen. Während Wörter wie „Vase“ oder „Auto“ eine Vielzahl umfassen, identifiziert der Name einen einzelnen unverwechselbaren Menschen. In meiner Herkunftsfamilie, in der ich mit acht Geschwistern aufgewachsen bin, haben wir sehr genau darauf geachtet, wer zum Küchendienst eingeteilt wurde. Meine Mutter wusste alle ihre neun Kinder namentlich zu benennen.
Im Laufe der Zeit verändern sich Menschen – tiefgreifend und ganzheitlich. Das merken wir, wenn wir einander längere Zeit nicht mehr gesehen haben. Ein einstmals vertrautes Gesicht mag uns nach Jahren fremd erscheinen. Aber unser Name bezeugt, dass wir immer noch dieselbe Person sind, auch wenn der „Zahn der Zeit“ an uns genagt hat.
Wichtig ist aber nicht nur unsere namentliche Individualität, sondern auch, dass wir mit unserem Namen angesprochen werden. Jemandes Namen zu nennen bezeugt Wertschätzung. Wessen Name dagegen missachtet wird, wer nur mehr als Nummer im Wertekontext modernen Lebens aufscheint, fühlt schnell die gesellschaftliche Isolation.
Wer sich Namen in Erinnerung ruft, begegnet damit augenblicklich Bildern, die unterschiedlich berühren. Im Namensgeflecht von Erinnerungen begegnen wir sehr oft auch Schuld anderen  aber auch uns gegenüber. Menschen werden schuldig aneinander; auch Christen und auch in der Gemeinde. Schuld tut immer weh, uns und anderen. Der göttliche Ausweg ruft jeden persönlich zur Vergebungsbereitschaft.
Wenn ich darauf vertraue, dass Gott mich bei meinem Namen ruft, kann ich sicher sein, dass ich in seine Gemeinschaft der Liebe hineingerufen werde – eine Liebesbeziehung, die von Gottes Seite her unauflöslich bleibt, auch angesichts meiner Verfehlungen. Gott ruft nicht allgemein in die Masse hinein: „Hallo, ist da irgendwer?“ Gott ruft persönlich. Gott kennt deine Geschichte, er weiß, was dich ausmacht. Gottes Rufen hat ein Ziel. Wenn Gott dich ruft, ruft er dir damit sein Vergebungs- und Erlösungsangebot in Erinnerung. Er verbindet damit den Zuspruch der Befreiung, wie: „Komm aus der Tretmühle deines Alltags! Komm aus dem Gefängnis deiner Gedanken.“ Gott erlöst und befreit nicht, weil wir so untadelig tolle Leute sind. Er liebt dich und spricht dir Wert zu. Hör zu, wenn Jesus dir sagt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen: Du bist mein!“ Jes 43,1
Wer diese bedingungslose Annahme erlebt, hat genug Liebe und Vergebungsbereitschaft zum Verschenken, denn Gott gibt nicht kleinlich. Es wäre wünschenswert, wenn diese Liebe sich ausbreitet, in der Gemeinde und darüber hinaus. Denn nach Jesu Vorsatz sollen uns Menschen an der gegenseitigen Liebe als seine Kinder erkennen.

Autor: Günther Maurer

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