13.03.2020

Redet jemand schlecht von dir

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Dieser einleitende Satz eines kleinen Gedichts, das mir vor einiger Zeit jemand zitiert hat, beschreibt leider die Regel im Miteinander der Menschen und nicht die Ausnahme.

Unsere Ecken und Kanten sind offensichtlich ein steter Quell an Gesprächsstoff. Ein besonders in Österreich ausgeprägtes Phänomen macht es geradezu unmöglich, sinnvoll und konstruktiv mit echten und angedichteten Fehlern, Schwächen oder Eigenheiten umzugehen und Fragliches aus der Welt zu räumen. Denn: Redet jemand schlecht von dir, so wird das nach schlechter alter österreichischer Art mit allen möglichen und unmöglichen Leuten über dich geschehen – aber kaum mit dir! Oft werden dich Informationen deine Person betreffend erst erreichen, wenn sie durch stille Post entfremdet über viele Ecken bereits eine Menge Schaden angerichtet haben und du keine Chance mehr hast, dich irgendwie dazu zu äußern und Dinge richtig zu stellen.


Letzteres ist von denen, die schlecht von dir reden, meist auch gar nicht gewünscht. Es wäre ja ein Aufwand, zu dir zu gehen und dich zu fragen, wie du die Dinge siehst. Riskant wäre es obendrein, denn du könntest ja Fakten und Aspekte einbringen, die es notwendig machen, die voreingenommene Sicht der Dinge zu ergänzen oder gar zu revidieren. Und worüber könnte man sich dann noch den Mund zerreißen? Da ist es viel einfacher, von vornherein davon auszugehen, dass du sowieso lügst wie gedruckt, denn dann braucht man sich mit dir gar nicht mehr auseinanderzusetzen.


So weit so schlecht. Wie gehst du nun, biblisch-christlich, richtig um mit so gearteten Problemen? Du kannst dich grün und blau ärgern, es wird dir gar nichts bringen. Denn weckt dich dein Ärger um vier Uhr in der Früh und du beginnst Streitgespräche in deinem Kopf mit Personen, die gar nicht da sind, dann schadest du dir nur selbst. Der, über den du dich ärgerst, liegt wahrscheinlich friedlich in seinem Bett und schläft. Das Bauchweh aber hast du und dich quält die Müdigkeit den Rest des Tages. Mit gleicher Münze heimzuzahlen und nun deinerseits schlecht reden, hilft auch nichts. Im Gegenteil: das macht alles nur schlimmer. Das sind keine Wege, sondern Sackgassen.
Jesus zeigt dir den Weg. Er machte sich keine Gedanken darüber, was die Leute von ihm hielten. Er wusste, wer er war, wozu er in der Welt war, was er zu tun hatte und wie er leben sollte. Und jeden Augenblick lebte er sein Wissen, setzte es in die Tat um. Und wenn Menschen ihn beschuldigt haben, ihm Vorwürfe machten, dann schwieg er. Weil er wusste: Keine Lüge wird Wahrheit, nur weil sie besonders laut hinausgebrüllt oder vielfach wiederholt wird. Mit der Zeit setzt sich immer die Wirklichkeit durch, spätestens am Beginn der Ewigkeit.
Daher ist dieses Gedicht so weise, von dem wir bisher nur einen halben Satz kennen:


Redet jemand schlecht von dir, so sei es ihm erlaubt.
Du nun aber lebe so, dass ihm keiner glaubt!

Autor: Oliver Fichtberger

Bildnachweis: freeimages.com/duchessa

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