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09.12.2021

Verschwörungen und die Verschwörung

Wie sollten wir als Christen mit Verschwörungen umgehen? Wie handelte Jesus? 4 praktische Tipps für die heutige Situation. von David Asscherick

Originalfassung ist am Ende des Artikels als PDF zum Download verfügbar.

Verschwörungen und die Verschwörung

Es ist noch gar nicht so lange her, dass man den Begriff „Verschwörungstheorie eher selten hörte. Heute scheint fast jeder über Verschwörungstheorien zu sprechen. Noch besorgniserregender ist, dass der Begriff immer häufiger als Waffe verwendet wird, wenn der Vorwurf gemacht wird, dass „sie“ (wer auch immer „sie“ sein mögen) eine Verschwörungstheorie vertreten. Ich glaube, der Trend, Verschwörungstheorien zu verbreiten und als Waffe zu verwenden, ist für Siebenten-Tags-Adventisten besorgniserregend.

Vor zwei Jahrzehnten habe ich eine Predigt mit dem Titel „Jesus und die Verschwörungstheorien“ gehalten. Mir war davor eine DVD von einem wohlmeinenden Gläubigen in die Hand gedrückt worden. Die DVD enthüllte irgendeine dunkle Verschwörung. Also tat ich, was ich als Pastor tun konnte: Ich schrieb eine Predigt. Obwohl ich selbst noch nicht lange Christ war, hatte ich den Eindruck, dass ein solider biblischer Glaube mit den verschiedenen Verschwörungstheorien, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Umlauf waren, unvereinbar war. Glücklicherweise wurde die Predigt immer gut aufgenommen. Doch die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts scheinen schon sehr lange her zu sein. Seitdem haben sich die Verschwörungstheorien vervielfacht.

 

VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN – DAMALS UND HEUTE

Heute gibt es Verschwörungstheorien „rechts“ und „links“ und überall dazwischen. Möchte man jemanden pauschal vorverurteilen oder sogar in Misskredit bringen, dann muss man ihn nur als Verschwörungstheoretiker bezeichnen. - Voilà. So einfach ist das.

Vor nicht allzu langer Zeit waren die wichtigsten Verschwörungstheorien, die in Umlauf waren, beispielsweise „Wer hat Kennedy getötet?“, „Wer steckt hinter 9/11?“ oder „Hat die NASA die Mondlandung vorgetäuscht?“ Im Jahr 2021 gibt es scheinbar für jede politische, soziale, medizinische und finanzielle Situation eine passende Verschwörungstheorie. Verschwörungen gibt es in Hülle und Fülle, von COVID-19 und Impfstoffen über Bill Gates und Jeff Bezos bis hin zu geopolitischen Allianzen, der flachen Erde, „Chemtrails“ von Flugzeugen und viele mehr. Das Internet hat ein ideales Klima für die Verbreitung von Verschwörungstheorien geschaffen, weil sich Ideen von Randgruppen unter die Menschen bringen lassen. Dies führte zu „Trutherism“. Darunter versteht man die Überzeugung, dass gewisse Wahrheiten (engl. truth) durch groß angelegte, organisierte Verschwörungstheorien vor der Öffentlichkeit verborgen werden. Dies ähnelt dem Gnostizismus des ersten Jahrhunderts, der die frühchristliche Kirche bedrohte. In beiden Fällen sind es Eingeweihte, die wissen, was wirklich vor sich geht. Der Wunsch, „wissend“ zu sein (ein gnostischer Ausdruck), hat eine unbestreitbare und für manche unwiderstehliche Anziehungskraft.

Meist ist es so, dass die „Truther“ vom „Mainstream“ abgelehnt werden und umgekehrt. Aber seltsamerweise können diese Kategorien leicht verschwimmen und sich je nach Thema oder Situation verschieben. Da es so viele Verschwörungstheorien gibt, kann fast jeder eine oder mehrere Theorien finden, die ihn ansprechen. Es herrschen Polarisierung und Parteilichkeit. Ideologische und religiöse Parteienbildung ist eher die Regel als die Ausnahme.

 

JESUS UND VERSCHWÖRUNGEN

Wie sollten wir als Christen mit diesem Thema umgehen? Die Antwort auf diese wichtige und aktuelle Frage finden wir, wenn wir auf Jesus sehen.

1. Pharisäer, Schriftgelehrte, Herodianer und Sadduzäer verschworen sich, um Jesus zu töten: Die religiösen Traditionalisten (Pharisäer) waren die ideologischen Feinde der modernistischen Sadduzäer, die die herrschende, priesterliche Klasse bildeten. Auch die jüdisch-politische Partei der Herodianer waren dabei, wenn es um den gemeinsam Feind Jesus ging. Aber ihr Hass auf den Außenseiter Jesus brachte sie zusammen, um seinen Untergang zu planen (Joh 11,45–57; Mt 12,14; 26,3–5; 27,1–2; Mt 22,16; Mk 3,6; 12,13).

2. Judas Iskariot verschwor sich, Jesus zu verraten: Es waren nicht nur Kräfte von außen, die sich gegen Jesus verschworen. Einer seiner eigenen Jünger verschwor sich, ihn zu verraten (vgl. Lk 22,4–6). Die Übersetzung ins Englische von Lukas 22,3 durch J. Philips ist alarmierend: „Da kam Judas Iskariot ein teuflischer Plan in den Sinn.“ Da steht: „ein teuflischer Plan“, das heißt, eine Verschwörung.

3. Hinter allem steckte Satan, der sich gegen Gottes Güte und Regierung verschworen hatte: Die Verschwörung hinter all den anderen Verschwörungen war übermenschlich, übernatürlich. Einer der höchsten Engel Gottes, Luzifer, war abtrünnig geworden und hatte gegen Gott rebelliert. Diese Rebellion wird in zahlreichen Bibelstellen angedeutet (1 Mo 3; Jes 14,12–17; Hes 28,12–19; Hiob 2, 1Mt 4,1–11; Lk 10,18; Joh 12,31–32; Offb 12). Sie bildet den Hintergrund für das Motiv des Großen Kampfes, das sich von 1. Mose bis zur Offenbarung durch die Bibel zieht. Luzifers Rebellion ist die Hauptverschwörung, zu deren Bekämpfung und Überwindung Jesus auf die Erde kam.

 

WIE REAGIERTE JESUS?

Jesus war sich bewusst, dass böse Mächte am Werk waren, um seine Bemühungen von Gottes Erlösungsplan zu vereiteln. Doch wie reagierte Jesus auf diese Verschwörungen? In Lukas 13 finden wir ein hervorragendes Beispiel.

„Es waren aber zu der Zeit einige da, die berichteten Jesus von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte.“ (V. 1) Der Vers scheint darauf hinzudeuten, dass Pilatus, römischer Statthalter und kein Freund der Juden, jüdische Pilger erschlagen ließ, während sie im Tempel ihre Opfer darbrachten. Ihr eigenes Blut wurde mit dem der Opfertiere vermischt. Diese furchtbare Vorstellung muss für jeden Juden zutiefst schockierend und abstoßend gewesen sein. Dass wir davon heute wissen, kann ein Hinweis darauf sein, dass es ein aktuelles Ereignis, vielleicht sogar eine „Schlagzeile“ war.

In Lukas 13, 31 lesen wir weiter: „Es kamen einige Pharisäer und sprachen zu ihm: Mach dich auf und geh weg von hier; denn Herodes will dich töten.“ König Herodes war zwar Jude, übte jedoch die Herrschaft Roms im Gebiet aus. Wie der grausame Pilatus zu Beginn des Kapitels war auch Herodes zweifellos bereit, potentielle politische Feinde zu beseitigen.

Jesus gibt die perfekte Antwort auf die Warnung der Pharisäer. „Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe, ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag bin ich am Ziel.“ (Lk 13,32 SLT) Dass Jesus die unverhohlene Androhung verschwörerischer Gewalt durch eine rücksichtslose, korrupte Regierung abtut, ohne ihr Bedeutung beizumessen, ist für uns extrem lehrreich. Im Grunde sagte er: „Na und? Ich habe zu arbeiten.“ Die Antwort von Jesus geht in Vers 33 weiter: „Aber heute und morgen und auch am Tag danach muss ich meinen Weg fortsetzen.“ (GNB)

„Geht hin und sagt diesem Fuchs.“ Hier zeigt Jesus, dass er sich über die Absichten des Herodes, durchaus im Klaren ist. Er versteht die Situation, lässt sich jedoch nicht von ihr vereinnahmen. Ein wichtiger Unterschied. Herodes mit einem Fuchs zu vergleichen, zeigt, dass Jesus sich dessen Ruf, schlau und grausam zu sein, bewusst ist.

„Am dritten Tag bin ich am Ziel.“ Jesus spielt in einer anderen Liga. Die Identität und Mission von Jesus überragen die Verschwörungen des Herodes. Jesus ist auf einer Mission, und es gibt nichts, was Herodes tun kann, um ihn aufzuhalten.

„Aber“. Hier zeigt sich die betonte Gleichgültigkeit von Jesus in vollem Ausmaß. Diese Gleichgültigkeit konnte weder den Pharisäern, die die Botschaft überbrachten, noch seinen eigenen Jüngern oder der Schaulustigen um ihn entgangen sein.

„Ich muss meinen Weg noch fortsetzen.“ Jesus befindet sich auf einer anderen Ebene als seine Gegner. Seine Identität und Mission überragen die scheinbar dringenden und gefährlichen Verschwörungen, die sich um ihn herum abspielen.

Jesus verstand den Unterschied zwischen irdischen Verschwörungen und der großen Verschwörung. Er behielt das große Ganze im Auge. War sich Jesus der Verschwörungen bewusst, die ihn umgaben? Natürlich. Aber ließ er sich von ihnen überwältigen? Ganz im Gegenteil. Ihm war ihre Bedeutung im Vergleich zu seiner unendlich wichtigeren Mission und Identität im Grunde gleichgültig. Wir sollten diesem Beispiel folgen, wenn es darum geht, mit bösen und manipulativen Verschwörungen – sowohl mit realen als auch mit erfundenen – umzugehen.

 

WIE STEHT ES MIT UNS?

Sind einige der heutigen Verschwörungen real? Absolut. Sind andere eingebildet, spekulativ und letztlich falsch? Absolut. Keine dieser Antworten sollte einen bibelfesten Christen überraschen. Wir leben in einer Welt, wo Korruption, Habgier und Ungerechtigkeit die Regel sind. „Böse Menschen aber und Betrüger werden es immer schlimmer treiben, indem sie verführen und sich verführen lassen.“ (2 Tim 3,13 SLT) Wir leben in einer Zeit, in der sich Macht – militärisch, finanziell, gesellschaftlich, institutionell – in wenigen Händen konzentriert. So wie es in der Geschichte oft der Fall war. Unter solchen Umständen sollten wir mit Verschwörungen und Ungerechtigkeit rechnen. Wir sollten nicht überrascht sein, dass unbekehrte, skrupellose Menschen Macht und Kontrolle haben wollen. Sie werden sich aller verfügbaren Mittel bedienen – selbst illegaler oder unethischer. Das ist die Welt, in der wir leben. Aber es ist auch die Welt, in die Jesus kam, um sie zu erretten.

Das Böse ist real, aber Gerechtigkeit, Gnade und Barmherzigkeit sind es auch. Jesus hat ein Reich auf Erden errichtet, das auf dem unverrückbaren Fundament von Gottes Güte und Herrschaft steht. Wir sind berufen, irdische Bürger dieses himmlischen Reiches zu sein (vgl. Joh 17,11.14–16).

Wir sind aufgerufen, der Faszination der sich ständig ändernden und oft unsere völlige Aufmerksamkeit beanspruchenden „kleinen“ Verschwörungen zu widerstehen und uns wie Jesus daran zu erinnern, unsere Identität und unsere Mission der eigentlichen großen Verschwörung festzumachen.

 

ZUSAMMENFASSUNG

Hier einfache Tipps, die dir helfen können, mit den Verschwörungstheorien umzugehen, die dir begegnen:

  1. Denke daran, wer du als Christ bist und weswegen du hier bist. Behalte deine Identität und Mission, die du von Gott empfangen hast, fest im Blick. Jesus wusste, wer er war und weswegen er hier war (vgl. Lk 19,10; Mt 20,28). Das sollten wir auch wissen!
  2. Behalte das große Ganze im Auge. Manche Verschwörungen sind mehr als nur Theorien, aber als Menschen, die an die Bibel glauben, sollten wir uns in erster Linie auf die große Verschwörung, den Kampf zwischen Gut und Böse konzentrieren. Das ist die einzige Verschwörung, mit der wir uns befassen sollten.
  3. Auf unbeweisbare Behauptungen und nicht enden wollende Spekulationen fixiert zu sein, kann einen in eine Scheinwelt führen, aus der man nicht leicht wieder herauskommt. Als Gläubige, welche Daniel und Offenbarung studieren, haben wir das Vorrecht zu wissen, welche die wichtigen Themen sind. Bleibe auf die dreifache Engelsbotschaft in Offenbarung 14 ausgerichtet.
  4. Denke evangelistisch, nicht konfrontativ. Wir sind nicht dazu berufen, Streitgespräche zu gewinnen, sondern Herzen und Seelen für das Wunder, die Schönheit und die Gerechtigkeit Gottes einzunehmen.

Ich denke, Ellen White hat es am treffendsten in der folgenden Aussage ausgedrückt, die eine Zusammenfassung der obigen vier Punkte darstellt: „Die Siebenten-Tags-Adventisten sind der Welt in einem besonderen Sinne als Wächter und Lichtträger gesetzt worden. Ihnen ist die letzte Warnung für eine untergehende Welt aufgetragen; herrliches Licht scheint ihnen aus dem Worte Gottes. Ihnen ist eine sehr wichtige Aufgabe übertragen worden, die Verkündigung der ersten, zweiten und dritten Engelsbotschaft. Es gibt keine Aufgabe von gleicher Bedeutung. Deshalb sollten sie auch nicht zulassen, dass irgendetwas anderes ihre Aufmerksamkeit gefangen nimmt.“ Ellen G. White, Evangelisation, S. 106. 

 

Gekürzte Fassung von: Asscherick, David; Verschwörungen und die Verschwörung; Adventist World Ausgabe 12/2021, Advent-Verlag Lüneburg.

Autor: David Asscherik

David Asscherick ist ein Sprecher von Light Bearers und Mitbegründer der Missions- und Jüngerschaftsschule ARISE. Mit seiner Frau Violeta und seinen beiden Söhnen lebt er im US-Bundesstaat Colorado.

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