18.10.2019

Wer mit wem?

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In der Politik stellen sich ja immer wieder – und ganz besonders in der aktuellen Situation – Fragen nach möglichen Koalitionen. Wer kann mit wem? Wer will mit wem?

Dabei geht es ja schließlich (hoffentlich) nicht um ein persönliches Wohlbefinden verschiedener Regierender, sondern um die Gestaltung unseres Landes. Kompromisse sind gefragt, bei denen niemand das Gesicht verliert und dennoch das Wohl der Gemeinschaft über das persönliche Machtstreben gestellt wird. Wir werden sehen, wie das hierzulande gelingt … Das bringt mich zu der Frage: Worum geht es mir? Was will ich um jeden (?) Preis erreichen? Selbstverwirklichung ist ein Schlagwort unserer Zeit. Ja, es ist gut, die eigene Persönlichkeit zu entdecken und zu entfalten bzw. zu entwickeln. Wir sind Meisterwerke aus des Schöpfers Hand. Die Frage ist wohl eher: Welchen Preis erfordert meine Selbstverwirklichung? Gehe ich dabei über Leichen? Was oder besser gesagt: wer bleibt auf der Strecke, wenn ich nur noch an mich denke, an mein Auskommen, mein Einkommen, mein Vorwärtskommen? Ich weiß, diese Überlegungen klingen anachronistisch. Doch vielleicht auch nicht mehr. In unserer Gesellschaft ist langsam ein Umdenken bemerkbar. Wir achten nicht nur auf uns, sondern auch vermehrt auf die Umwelt. Bloß: Der Mensch neben mir, achte ich auf den auch? Wir reden viel von biologisch abbaubaren Strohhalmen, und das ist auch gut so, doch der alte, einsame Nachbar in der Wohnung auf meiner Stiege, bemerkt der auch etwas davon, dass ich umdenke? Das behinderte Mädchen im Park, von den anderen Kindern gemieden, wer schenkt ihr Beachtung und Zuwendung? Als Christ fühle ich mich aufgefordert, ein harmonisches, bewusstes „Miteinander“ zu leben. Als gläubiger Mensch weiß ich, dass nicht immer mein persönliches Wohl an oberster Stelle stehen muss. Ich habe ein Vorbild, das so gar nicht in die Gesellschaft passte und passt. Jesus war demütig, er hat den Menschen gedient. Das Wohl anderer lag ihm mehr am Herzen als sein eigenes Wohl. Er hätte auf keiner Liste um Vorzugsstimmen geworben oder für ein Amt kandidiert. Er ist gekommen, um anderen zu helfen, und hat sich dabei die Verachtung der Masse zugezogen. Das war Liebe, das ist Liebe. Das will ich lernen und mit einer neuen Einstellung in den Tag gehen. Heute einem anderen Menschen zeigen, dass er mir wichtig ist - wichtiger als mein persönlicher Vorteil. Wir können „miteinander“ leben, egal, wer mit wem …!

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Autor: Claudia Flieder

Bildnachweis: pixabay: stocksnap