26.04.2019

Zeichen setzen

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Es ist zeitig am Morgen, ich stehe im Supermarkt in der Warteschlange. Als ich an der Reihe bin, lächelt die Kassiererin mir zu. Wir kennen uns schon seit einigen Jahren, denn ich komme öfter hierher einkaufen.

Während die Angestellte meine Waren scannt, schüttelt sie nachdenklich den Kopf. „In der Welt geht es drunter und drüber“, meint sie nachdenklich. Ich nicke. „Man weiß gar nicht, wie das weitergehen soll“, fährt sie fort. Wieder nicke ich. Dann verlange ich ein Plastiksackerl für meinen Einkauf. Die Dame an der Kasse zögert. „Wollen Sie wirklich ein Plastiksackerl? Ich kann Ihnen eine Stofftasche geben. Wir sollten doch ein Zeichen setzen.“ Ich nehme die Tasche und verlasse das Geschäft. Draußen auf der Straße schießen mir nun einige Gedanken durch den Kopf. Ein Zeichen setzen – wäre das nicht angebracht!? Doch wofür? Kann ich die Welt durch eine Stofftasche besser machen? Ja, ist dieser Welt überhaupt noch zu helfen? Die Kassiererin hat getan, was sie für richtig hielt. Sie hat ein Zeichen gesetzt und mich ebenfalls dazu ermutigt. Und ich – als Christ? Ich habe geschwiegen. Nicht, weil ich keine Antwort wusste, sondern weil es mir peinlich war. Langsam gehe ich weiter auf der Straße. Immer öfter sind mir in letzter Zeit Menschen begegnet, die unsicher und ängstlich waren angesichts der Ereignisse in unserer Welt. Was habe ich ihnen vermittelt? Hoffnung? Guten Mut? Habe ich sie im Unklaren darüber gelassen, wie es weitergehen wird? Ja, ich glaube an eine bessere Zukunft, aber nicht von Menschen gemacht, sondern von Gott bereitet. Und ich freue mich auf die Wiederkunft unseres Herrn Jesus. Doch welche Zeichen setze ich heute in dieser Welt? Kann ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen? Oder ist sie mir – peinlich? Doch wer gibt den Menschen von heute Antworten, wenn nicht wir? Wir, die wir so gut Bescheid wissen über die Zeichen der Zeit, über die prophetische Schau der letzten Dinge, über die Wiederkunft Jesu – verzetteln wir uns in den eigenen Problemen, in lähmenden Diskussionen und internen Angelegenheiten? Oder haben wir uns schon selbst an diese Welt verloren mit ihren vergänglichen Schauplätzen und ihrem oberflächlichen Reiz? Wo stehe ich heute? Setze ich noch ein Zeichen der Hoffnung, des Glaubens, der Liebe? „Ihr werdet meine Zeugen sein“, meinte Jesus vor seiner Himmelfahrt (Apg. 1,8). Zeugen berichten das, was sie selbst erlebt haben. Ja, ich habe mit meinem Herrn schon Großes erlebt und seine Liebe erfahren – darüber will ich nicht schweigen!

Übrigens: Ich bin noch einmal zu der Kassiererin gegangen, habe ihr ein Büchlein mit Verheißungen Gottes geschenkt. Sie hat sich darüber sehr gefreut - über ein Zeichen in dieser Welt …

Autor: Claudia Flieder

Bildnachweis: pixabay