31.01.2020

„... dem denket nach!“

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Paulus rät den Philippern: „Weiter, liebe Brüder: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!“ Philipper 4, 8.

Woran mag es wohl liegen, dass es uns so schwer fällt, diesem Rat entsprechend zu handeln? Manchmal könnte man den Eindruck haben, Paulus hätte geschrieben, wir sollten vor allem darüber nachdenken, was wir kritisieren und tadeln können. Sie müssen einen besonderen Reiz haben, diese Gespräche, in denen wir uns über die vermeintlichen und tatsächlichen Versäumnisse anderer auslassen – ihnen aber selten die Gelegenheit geben, sich überhaupt dazu zu äußern.


Als ich einmal meinte, dringend etwas über jemand nicht Anwesenden weiter erzählen zu müssen, das mir jemand anderer mit ebensolcher Dringlichkeit vorher anvertraut hatte, kam mir dabei der Satz über die Lippen: „Und wenn nur die Hälfte davon wahr wäre…“! Leider wurde mir erst später bewusst, dass ich damit eigentlich etwas weitergegeben hatte, von dem ich grundsätzlich annehmen musste, dass es auch falsch sein könnte und ich selbst gar nicht zu beurteilen imstande war, welche Hälfte nun stimmte und welche nicht. Dennoch hatte ich mich erdreistet, über einen anderen Menschen zu richten.


Richter aber leben gefährlich – vor allem selbsternannte. Ein Freund machte mich eines Tages darauf aufmerksam, dass bei der Aufzählung der versiegelten Stämme Israels in Offenbarung 7 der Stamm Dan – übersetzt „Richter“ – fehlt. Provokant meinte er: „Richter werden ausgesichtet …“ Als Jakob seine Söhne segnete, fand er für Dan keine besonders erbaulichen Worte: „Dan ist eine Schlange am Weg, eine Hornotter am Pfad, die in die Fersen des Pferdes beißt, und rücklings fällt sein Reiter.“ 1. Mose 49,17. Das scheint mir kein erstrebenswertes Lebensmotto zu sein.


„Daniel“ klingt da schon anders. Denn Daniel bedeutet: „Gott ist mein Richter.“ Daniel trug seinen Namen nicht nur, er lebte ihn auch. Erstens war ihm das, was Gott über ihn dachte, stets wichtiger, als das, was Menschen über ihn meinten. Zweitens sehen wir an seinem Verhalten, dass er sich auch bewusst war, dass Gott nicht nur sein Richter, sondern auch der Richter seiner Mitmenschen war. So konnte er zum Beispiel auch in den schwierigsten Momenten liebevoll und konstruktiv mit den Fehlern eines Nebukadnezars umgehen, selbst wenn er ihm unangenehme Dinge zu sagen hatte. Daniel 4,16-25.


Welchen Namen wir auch tragen – jeder von uns steht immer wieder vor der Entscheidung, wer er sein will: „Dan“ oder „Daniel“? Fälle ich Urteile oder kann ich einen Menschen mit den liebevollen Augen Gottes sehen? Jesus machte genau die Art und Weise des Umgangs untereinander zum Kennzeichen dafür, ob ihm jemand wirklich nachfolgt: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ Johannes 13,35. Wer willst du sein? Es ist deine Entscheidung!

Autor: Oliver FIchtberger

Bildnachweis: fotolia/Markus Bormann

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