Wenn du es eilig hast ...

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„Wenn du es eilig hast, gehe langsam!“ Dieser Satz eines Zeitmanagement-Gurus reizt mich stets zum Widerspruch.

Wenn es was zu tun gibt, dann packe ich es am liebsten sofort an, je schneller umso besser. Wenn der Druck steigt, dann mache ich eben drei Sachen auf einmal. Und wenn es so richtig stressig wird – dann eben Vollgas! Aber langsam gehen, wenn man es eilig hat? Da täte ich mir sehr schwer …
Kürzlich fuhr ich mit einem Kollegen eine längere Strecke mit dem Rad. Er ist ein erfahrener Radfahrer. Ich ahnte eigentlich nicht, dass ich bezüglich Radfahren noch etwas lernen könnte, immerhin sitze ich knapp 40 Jahre im Sattel – mal mehr, mal weniger. Wie Radfahren geht, das weiß ich schon!  So war ich doch etwas erstaunt, als er mir nach einer Weile sagte: „Du fährst in einem zu hohen Gang, das kostet dich zu viel Kraft. Es ist viel leichter für dich und besser für deine Beine und deinen Kreislauf, wenn du zwei, drei Zahnräder zurückschaltest und dafür mehr strampelst, aber dennoch weniger Kraft brauchst.“ Das klang im ersten Moment widersprüchlich in meinen Ohren. Aber als ich das nächste Mal allein unterwegs war, achtete ich ganz bewusst darauf und stellte fest: er hat recht. Zu meinem großen Erstaunen war ich nicht einmal viel langsamer, aber eindeutig weniger geschlaucht, als ich an meinem Ziel ankam. Die Lektion, die ich daraus gelernt habe, hat sich mir tief eingeprägt: Ich muss nicht immer im höchsten Gang fahren, um schnell zu sein.


Im Nachdenken über diese für mich recht schwer zu schluckende Wahrheit kamen mir ein paar Sätze aus der Bergpredigt in den Sinn. Jesus sagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ Matthäus 6, 33-34. Stress und Sorgen scheinen Zwillinge zu sein – zumindest bei mir: Sorgen machen Stress und Stress bringt Sorgen. Und dann gebe ich Vollgas und packe meine Tage so voll, dass die Zeit meist nicht reicht. Ich muss aber nicht immer im höchsten Gang fahren, um schnell zu sein. Es gilt, die wichtigen Dinge zuerst zu tun, überlegt vorzugehen und Prioritäten zu setzen. Das wichtigste ist das Reich Gottes: Wenn ich mich zuerst in die Gegenwart Gottes begebe, ihm meinen Tag weihe mit allem, was er bringt, dann kann er all mein Tun durchdringen und mir helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wer aus der Stille Gottes kommt, kann viel leichter mit den Stürmen des Alltags umgehen. Wenn du es eilig hast, dann geh mit Gott!

Autor: Oliver Fichtberger

Bildnachweis: freeimages / Hans Thoursie

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