Perfekt oder echt?

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Es ist so eine Sache mit der Perfektion. Man will sie – und leidet doch darunter.

Am besten wäre es, einfach alles zu können und zu schaffen – eine tolle Karriere im Beruf hinzulegen, eine super Beziehung zu führen, dabei liebe, brave Kinder groß zu ziehen, ein guter Freund und vorbildlicher Nachbar zu sein, angesehen in der Gemeinde und wertgeschätzt bei den Kollegen, mit dem richtigen Händchen für Technik, Haus und Garten auch noch dazu, versteht sich von selbst …

Bist DU perfekt? Perfektion ist an und für sich nichts Schlechtes. In der Medizin etwa erwarten wir fehlerfreie Leistungen. Wenn wir unser Auto in die Werkstatt bringen, wollen wir, dass die Bremsen danach zu 100 % perfekt arbeiten und nicht nur zu 75 %. Dazu braucht es Menschen, die wissen, worauf es ankommt und wie man ein hundertprozentiges Ziel erreicht. Doch die Schattenseite des Perfektionismus begegnet uns in unserer Gesellschaft – und in unserer Kirche! – immer öfter. Was wir herzeigen, was man von uns sieht und kennt, soll möglichst makellos strahlen und glänzen. Dahinter verbirgt sich oft eine große innere Unsicherheit. Bin ich überhaupt gut genug, wie ich wirklich bin? Kann ich bestehen – auch mit meinen Defiziten, Mängeln und Schwachstellen? Was denken wohl die anderen von mir, meine Glaubensgeschwister, mein Prediger, meine Bekannten, wenn ich zur Abwechslung mal echt bin und die heile Fassade bröckelt? Es scheint zu riskant, sich vor anderen zu öffnen. Lieber schöne Fassaden aufziehen und heile Welt spielen. Der Preis dafür? Hoch, sehr hoch. Am Ende läuft man Gefahr, sich selbst zu verlieren.

Wer bin ich? Wer bin ich geworden? Meine Geschichte ist Teil von mir. Ich bin ich – und es ist gut so. Sich anzunehmen, Ja zu sagen zur eigenen Geschichte, versöhnt zu leben – das gelingt, wenn ich weiß: Ich werde geliebt, wie ich bin. Da steht einer hinter mir und sagt Ja zu mir – bedingungslos und ohne Ansprüche. Es ist gut, dass ich bin. Wer, wenn nicht Gott könnte dieses JA sagen? Er, der mich schuf, kennt mich besser als alle anderen. Er weiß, was wirklich hinter der Maske steckt. Was ich vor anderen verberge. Ihn brauche ich nicht zu täuschen. Es ist gut, bei Gott zu sein, so wie man wirklich ist. Es ist befreiend. Seine Annahme macht mich stark – stark für diese Welt, stark in der eigenen Unsicherheit. Nimm die Einladung an. Das JA Gottes verändert das Leben. Entdecke die Freiheit zu leben und zu sein. Gott hat dich gewollt und angenommen. Was du mit seiner Hilfe an dir änderst, wird zu deinem eigenen Nutzen sein. Doch die persönliche Entwicklung ist keine Voraussetzung für Gottes Liebe. Sie ist die Folge davon.

Autor: Oliver Fichtberger

Bildnachweis: bigstock

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