Der Heuschrecken-Komplex

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Die zehn verzagten Kundschafter beendeten ihren destruktiven Bericht mit den Worten: „Wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken – und so waren wir in ihren Augen!“ 4. Mose 13,33.

Ob sie genau hinhörten, was sie da von sich gaben? Sie fühlten sich selbst so klein und hilflos wie Heuschrecken gegen die (eingebildeten?) Riesen Kanaans, und meinten, sie würden von den Bewohnern des Landes auch so wahrgenommen. An dieser Stelle hätte ich die zehn gerne gefragt, woher sie denn so genau wussten, wie die Leute sie sahen?  Hatten die Kundschafter eine Umfrage gemacht? „Guten Tag, wir kommen vom Volk Israel und hätten gerne gewusst, was Sie in uns sehen?“ Wohl kaum. Was wir selbst von uns halten ist wichtiger, als das, was die anderen über uns denken. Wer sich selbst klein und hilflos fühlt, wird sich auch so verhalten, als ob er tatsächlich klein und hilflos wäre und deswegen nehmen die Menschen in der Umgebung jemand auch als klein und hilflos wahr. Klein zu sein, ist an sich noch kein Nachteil, klein an Zahl auch nicht: Es ist dem Herrn nicht schwer durch viel oder wenig zu helfen. Gott lässt sich von Zahlen nicht beeindrucken. Außerdem haben kleine Menschen andere Möglichkeiten als große, was David gegen Goliath eindrucksvoll beweist. Und aus der Perspektive Gottes sieht sowieso alles ganz anders aus. Niemand also hat die zehn Männer gezwungen, sich selbst so klein wie Heuschrecken zu sehen und zu fühlen, dazu haben sie sich selbst entschieden.

Wie siehst du dich? Wie fühlst du dich, wenn du dich als Christ in dieser Welt siehst? Welches Bild von dir hast du, wenn du mit Menschen über deinen Glauben redest?  Oft höre ich den Satz: „Die Menschen von heute wollen nichts von Gott wissen!“ Wirklich? Oder ist das nur ein Vorurteil? Wer davon überzeugt ist, dass sein Gegenüber nichts von Gott wissen will, wird sich auch dementsprechend verhalten – und Reaktionen bekommen, die ihn in seinem Vorurteil bestätigen. Wer aber davon ausgeht, dass jeder Mensch Interesse an Gott hätte, würde er ihn nur wirklich so erleben können, wie Gott tatsächlich ist, begegnet Menschen ganz anders. Wenn dann jemand sagt: „Mit Gott habe ich nichts am Hut!“ kannst du dich nach den Gründen dafür erkundigen und fragen: „Wie müsste denn Gott sein, dass du mit ihm etwas zu tun haben wolltest?“ Diese Frage bringt dein Gegenüber zum Nachdenken und die Chance zu einem interessanten Gespräch ist viel größer, als wenn du klein beigibst, sobald eine negative Äußerung kommt.

Nur die zwei Kundschafter Josua und Kaleb fühlten sich damals nicht als Heuschrecken. Statt auf die Probleme zu sehen, dachten sie an die Verheißung Gottes und an alles, was sie bereits mit ihm erlebt hatten. Wer sich und die Welt mit Gottes Augen sehen lernt, sieht wirklich richtig.

Autor: Oliver Fichtberger

Bildnachweis: pk7-pics

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