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Was die Streithähne, Besserwisser und Raunzer dieser Welt von einem 12jährigen Mädchen lernern können ...

Ganz schlechter Stil ...

Ich gebe zu, dass sich in mir deutlicher Widerspruch regte, als ich hörte, dass der missglückte Putsch in einem beliebten Urlaubsland als „Segen Gottes“ bezeichnet wurde, weil er den Vorwand und die angebliche Rechtfertigung zur Verhaftung tausender möglicher politischer Kritiker bot.

Ebenso lässt es mich nicht kalt, wenn auf aus deutschen Landen daran geübter Kritik von namhafter Seite aus besagtem Urlaubsland verteidigend erwidert wird, die Deutschen sollen sich nicht so haben, bei der deutschen Wiedervereinigung seien auch tausende ostdeutsche Lehrer entlassen worden, das sei doch ganz normal, damals habe sich auch keiner aufgeregt. Da meine Frau aus Ostdeutschland stammt, konnte ich aus erster Hand in meiner angeheirateten Verwandtschaft nachfragen, wie das denn wirklich gewesen sei. Nun, es haben damals tatsächlich bestimmte Lehrer ihre Arbeit verloren, jedoch keinesfalls alle, an den ihnen bekannten Schulen mussten nur eine Handvoll Lehrer gehen. Massenentlassungen quer durchs Land? Eine Verhaftungswelle? Oder gar Folter? Keine Spur. Der Fall der Mauer war ein Schritt in die Freiheit.

Also ich könnte mich da richtig aufregen, wenn ich beobachte, wie die Fakten gebogen, Hässliches schön geredet und alles zurechtgebogen wird, wie es jemand gerade passt. Und überhaupt braucht sich auch in unserem Land niemand darüber beschweren, dass das Volk scheinbar an chronischer Politikverdrossenheit leide. Bei dem Stil kann man sich ja nur kopfschüttelnd abwenden. Angeblich Linke prügeln auf angeblich Rechte ein und es ist verwunderlich, dass bei so viel Diskussion und Streit in unserem Land überhaupt etwas weitergeht. Und was im Land der Streifen und Sterne über dem großen Teich derzeit im Wahlkampf so alles abgeht, wäre auf einer Theaterbühne krasses, blasses, plumpes Programm.

Ich könnte mich noch über manch anderes auslassen und mich aufplusternd mahnend mit dem Finger darauf zeigen, wenn bei mir beim Bild des ausgestreckten Fingers nicht immer eine Warnlampe anginge. Es hat mich nämlich irgendwann jemand darauf aufmerksam gemacht, dass bei der Geste des ausgestreckten Zeigefingers ein Finger auf den andern zeigen, drei aber auf mich selbst.

Und so will ich mich mal bei der eigenen Nase nehmen und ehrlich feststellen: Nur weil ich etwas nicht richtig finde, was ein anderer macht, bedeutet das leider noch nicht, dass ich es richtiger mache. Und oft bemängele ich etwas am anderen, womit ich auch Probleme habe. Der Splitter im Auge des anderen ist oft aus dem gleichen Holz wieder Balken in meinem eigenen. Wer sich über den Stil oder die Art eines anderen aufregt, gerät leicht auf den schlüpfrigen Boden, sich selbst auch schuldig zu machen.

Vor kurzem hat ein zwölfjähriges Mädchen die Talenteshow „America got Talent“ gewonnen. In allen Durchgängen sang sie selbstgetextete und komponierte Lieder und begleitete sich selbst mit Ukulele, einem kleinen gitarrenähnlichem Instrument. In ihrem finalen Lied beschreibt sie eine Situation, in der jemand den Raum betritt, sie verächtlich wahrnimmt und sinngemäß meint, wer war das doch gleich? Sie antwortet, dass sie sich nicht verletzen lasse, sie werde sich durch Worte nicht verbiegen, sie werde nicht in so einer Welt leben, Angriffe, Schimpfwörter, Witze und dumme Spiele funktionierten nicht, verletzten sie nicht, gingen durch sie hindurch. Sie lasse sich nicht verbiegen, sie sei nicht Ton. I´m not Clay.

Dieses kleine Mädchen mit ihrem schlichten Lied hat mich beeindruckt. Den Spöttern und Neidern hält sie entgegen: ich spiele euer Spiel nicht mit, ich werde anders leben, ich lasse mich nicht verbiegen.

Das erinnert mich an einen Abschnitt aus der Bibel. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer im Kapitel 12 sinngemäß, dass ich mich vom herrschenden Geist dieser Welt nicht gleichschalten lassen brauche, sondern ein wohltuendes Gegenprogramm leben soll: Böses verabscheuen, indem ich Gutes tue.

Falls du, lieber Leser, meine Beobachtung teilst, dass Ärger und heiße Luft nichts ändern, dann lass uns doch gleich damit anfangen, Sinnvolleres zu tun.
Wir müssen ja nicht gleich die ganze Welt retten, es wäre schon ein Anfang, zu überlegen, wem wir in der nächsten Stunde eine Freude machen, ein Lächeln schenken, eine helfende Hand reichen oder etwas Ermutigendes sagen könnten - und es dann auch tun!

Autor: Oliver Fichtberger
Bildnachweis: 555614_original_R_K_B_by_Petra Bork_pixelio.de

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